Steigende Holzpreise und schonende Baumpflege: Waldinteressenten ziehen glänzende Bilanz

Sattes Grün statt Kahlschlag

Generationen von Bäumen an einem Ort: Stephan Walther (von links) und Karl Stock von den Waldinteressenten sowie Arnd Kauffeld von Hessen-Forst inspizieren nachwachsende junge Buchen (im Vordergrund). Die Bäume dahinter sind bis zu 70 Jahre alt. Fotos: Dilling

Baunatal. Die Großfamilie unter den Bürgern Deutschlands stirbt langsam aus. Im Großenritter Wald ist das anders. Da stehen zarte Pflanzen, die erst noch Bäume werden wollen, neben Baumriesen von 60 oder 70 Jahren. Alle Generationen von Eichen, Lärchen oder Buchen. „Wir sorgen für Dauerwald statt für Kahlschlag“, sagt Arnd Kauffeld, Förster von Hessen-Forst. Der Staatsbetrieb sorgt im Auftrag der Waldinteressenten für die Bewirtschaftung der etwa 500 Hektar Wald.

Dauerwald bedeutet, dass Kauffeld sich den Wald selbst erneuern lässt. „Die natürliche Verjüngung ist kostenfrei“, sagt Kauffeld.

Nur wenn die Bäume in einem bestimmten Areal zu groß werden und den wild nachwachsenden das Licht nehmen, werden die Riesen gefällt. Für die Waldinteressenten lohnt sich diese schonende Bewirtschaftung. Während der Interessentenwald vor 30 Jahren nur 2300 Festmeter bei der Holzernte einbrachte, sind es heute 3300 Festmeter, ohne dass Spaziergängern kahle Flächen auffallen würden.

Richtig glänzend wird die Bilanz der Waldinteressenten aber durch die in den vergangenen fünf Jahren rasant gestiegenen Holzpreise. Die seien von 30 Euro auf - abhängig von der Holzqualität - 50 bis 65 Euro geklettert, berichtet Karl Stock, Vorstandsvorsitzender der Waldinteressenten. Ein so gutes Ergebnis wie heute habe er in den 15 Jahren seiner Amtszeit noch nicht verzeichnen können, sagt er. Kein Wunder, dass der Abschluss des traditionellen Waldspaziergangs der Interessenten am Sonntag vor der Hütte im Gerott besonders fröhlich gefeiert wurde.

Dabei sind die Waldinteressenten schon seit sieben Generationen sehr erfolgreich. Ein wichtiger Schritt sei die Reduzierung der Kosten zur Bewirtschaftung des Waldes gewesen, sagt Stock. Während früher die Mitglieder selbst Bäume schlugen und verkauften und später die Arbeit einem Förster und zwei Forstwirten übertrugen, übernimmt das seit einigen Jahren Hessen-Forst.

Bald stehen die Großenritter Waldinteressenten vor einer Herausforderung, für die sie die Erlöse aus dem Holzverkauf gut brauchen können. Sie müssen den an die Stadt Baunatal verpachteten und von dieser als Deponie genutzten ehemaligen Großenritter Steinbruch wieder aufforsten. Vielleicht beginnen sie schon nächstes Jahr damit. Ein weiteres wirtschaftliches Standbein soll die Windkraft werden. Da laufen schon Verhandlungen mit Partnern.

Von Peter Dilling

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