Selbsthilfe-Organisation LOT bietet im Landkreis Kassel regelmäßig Spaziergänge an

Sauerstoff im Rucksack

Spaziergang in Baunatal: Gerhard Kulpe (von links), Edda Kulpe, Rainer Gießmann, Helga Gießmann, Christl Fischer, Karl Götte, Hildegard Götte, Hermann Fischer, Erich Kollitz, Lotti Kehl und Horst Kehl gehören zur Deutschen Sauerstoff-Liga. Fotos:  Grigoriadou

Baunatal. Bei jedem Atemzug zischt es leise. Frischer Sauerstoff strömt aus einem tragbaren Gerät durch dünne Schläuche in seine Nase und versorgt Gerhard Kulpe mit dem lebensnotwendigen Gas. Er ist einer der Langzeit-Sauerstoff-Patienten in Deutschland.

Trägt das Sauerstoffgerät Tag und Nacht: Karl Götte ist Langzeit-Sauerstoff-Patient.

„Was für einen gesunden Menschen ein kurzer gemütlicher Spaziergang ist, scheint uns wie ein Tausend-Meter-Lauf“, so versucht Kulpe den Grad der Erschöpfung zu erklären. Rainer Gießmann ist Gruppenleiter der Deutschen Sauerstoff-Liga LOT - Selbsthilfegruppen für Sauerstoff-Langzeit-Therapie in Nordhessen. Gießmann: „Die Sauerstoff-Langzeit-Therapie ist für Patienten, die aufgrund einer Lungen- oder Herzerkrankung nicht mehr mit genügend Sauerstoff versorgt werden können.“

Ziel der Selbsthilfegruppe ist es beispielsweise, Erfahrungen auszutauschen, untereinander Ratschläge zu geben und Alltagsprobleme zu besprechen. „Was zahlt die Krankenkasse? Was für Erfahrungen machen Angehörige? Wie plant man einen Urlaub? Solche Fragen stellen sich Betroffene und ihre Familien“, zählt Gießmann auf.

Leistungsfähigkeit erhalten

Jeder Ausflug, Urlaub und Kinobesuch wird zeitlich abgeschätzt. „Schließlich müssen wir berechnen, wie lange der Sauerstoff reicht“, sagt Gießmann.

Im Vordergrund stehen Mobilität und Lebensqualität der Patienten. „Wir alle wollen unsere Leistungsfähigkeit erhalten, um noch aktiv am Leben teilzunehmen. Schließlich wollen wir nicht den ganzen Tag zu Hause sitzen und über unsere Krankheit brüten.“

Vor allem die mobilen Sauerstoffbehälter werden als große Chance gesehen. Denn bis vor einigen Jahren hingen die Patienten an einem großen Konzentrator und hatten kaum die Möglichkeit, sich frei zu bewegen. „Natürlich sind uns Grenzen gesetzt. Dafür genießen wir alles umso mehr, was im Bereich des Möglichen ist“, sagt Gießmann

Die regelmäßigen Spaziergänge in der Gruppe – diesmal in Baunatal – tun nicht nur dem Körper gut. „Bei uns besteht kein Gruppenzwang“, betont Gießmann. Und wie sieht ein idealer Spaziergang aus? „Sonnenschein ohne kalten Wind, eine gerade Strecke, alle 50 Meter eine Parkbank und ein nettes Café in der Nähe“, zählt Gerhard Kulpe auf und lacht.

Für die Angehörigen plant Edda Kulpe Treffen zum gegenseitigen Austausch. „Das hilft uns allen“, sagt sie.

HINTERGRUND

Von Anthoula Grigoriadou

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.