"Wir haben genug Geld"

Schandfleck in Vellmar: Ein Geisterhaus hinter der Kirche

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Geisterhaus: Das Gebäude in der Mauerstraße 9 in Obervellmar verkommt seit Jahren. Fenster stehen offen, es liegt Sperrmüll herum, der Garten hinter dem Haus ist zugewachsen.

Vellmar. Brachliegende Grundstücke und veraltete Bushaltestellen – überall finden sich Orte, über die man sich ärgert. Wir suchen nach Schandflecken im Landkreis Kassel und bringen sie ans Licht - wie etwa in Obervellmar.

An diesem trüben Tag ist es bitterkalt, aber im Haus in der Mauerstraße 9 in Obervellmar sind fast alle Fenster gekippt. Innen muss es eisig sein. Seit Jahren steht das Haus leer, der Garten verwuchert, wo auch ein altes Garagentor an die Hauswand gelehnt steht. Vielen Nachbarn, die hier in den engen Straßen hinter der Kirche in Obervellmar wohnen, ist das verwahrloste Haus ein Dorn im Auge.

Haus auf E-Bay zum Verkauf

2014 wurde das Haus zwangsversteigert. Seither gammelt das Gebäude vor sich hin. Der Besitzer, Herr Miftari – der seinen Vornamen im Gespräch mit der HNA nicht nennen will – hat das Haus Ende 2017 schon zum zweiten Mal im Internet über E-Bay Kleinanzeigen zum Verkauf angeboten. Der Plan des 20-jährigen ist es, das Grundstück zu verkaufen. „Ansonsten lassen wir es verrotten. Wir haben genug Geld.“

Das Haus steht nicht unter Denkmalschutz und könnte theoretisch abgerissen werden. Es habe auch schon zahlreiche Interessenten gegeben, doch bisher konnte man sich nicht auf einen Kaufpreis einigen. „Wo findet man in Vellmar heute noch so ein Grundstück, es ist wirklich eine schöne Gegend“, sagt Miftari.

Er selbst will nicht in das Haus hinter der Kirche in Obervellmar ziehen. Er habe schon ein schönes, großes Haus in Vellmar, sagt er im Gespräch. Ursprünglich sollte ein Teil seiner Familie in das Gebäude in der Mauerstraße ziehen, was allerdings nicht klappte. Nun verfällt es zusehends.

Die Stadt Vellmar weiß um das Problem, aber bei Privateigentum sind der Behörde die Hände gebunden. Solange keine Gefahr für die Allgemeinheit besteht, kann das Ordnungsamt nicht einschreiten. Schon des Öfteren hat die Behörde in der Mauerstraße nach dem Rechten gesehen, weil immer wieder Beschwerden aus der Bevölkerung eingingen. 

„Es herrschen dort keine unhygienischen Verhältnisse. Hauptsächlich liegt Bauschutt und Sperrmüll herum und der Garten ist verwuchert“, sagt Wolfhard Eidenmüller vom Ordnungsamt der Stadt. Es mache auch nicht den Augenschein, als ob es sich um eine illegale Müllablagerung handele.

Besitzer: Nachbarn sollen das Grundstück kaufen

Für die Nachbarn ist das alles wenig befriedigend. Denn sie müssen jeden Tag auf das verwahrloste Grundstück blicken und sorgen sich, dass ihr Eigentum an Wert verliert, weil für Neu-Mieter oder potenzielle Käufer die Lage dadurch uninteressant wird. 

Außerdem sorgen sich viele, dass durch herumliegender Unrat Ratten und Mäuse angezogen würden. Das kann Wolfhard Eidenmüller nicht bestätigen. „Ratten kommen nur dann, wenn es etwas zu fressen gibt. Hier liegt aber nur Sperrmüll und Bauschutt.“ Biomülltonnen und Kompost seien eine größere Gefahrenquelle, erklärt Eidenmüller, weil es für die Nager einem gedeckten Tisch gleichkomme.

Die Nachbarn hoffen, dass sich der Eigentümer endlich um das Haus kümmert und instand setzt. Doch das wird wohl nicht geschehen. So wie es derzeit aussieht, wird erst Bewegung in die Sache kommen, wenn sich ein Käufer findet. Denn Gespräche, die mit Herrn Miftari vonseiten der Nachbarn gesucht wurden, sind ergebnislos gescheitert. „Wenn die Nachbarn das Haus stört, sollen sie zusammenlegen, es kaufen und aus dem Grundstück einen Parkplatz machen“, sagt der 20-jährige Hausbesitzer.

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