Zwischen Rotterdam und Österreich

Ahoi! Frachtschiff trägt den Namen der Gemeinde Schauenburg

Unterwegs im Rehin-Main-Donau-Verkehr: Das Binnenfrachtschiff Schauenburg stammt ursprünglich aus den Niederlanden. Seinen Namen verdankt er nicht der Gemeinde im Landkreis Kassel, sondern einer Burg in der Nähe von Basel, erbaut im 11. Jahrhundert. Foto: privat / nh

Schauenburg. „Schauenburg“ schippert auf dem Main. Nein, nicht die Gemeinde, sondern ein Binnenfrachtschiff mit gleichem Namen. Das Schiff fährt im Rhein-Main-Donau-Verkehr und ist beladen mit Trockengütern wie Eisenerz, Stahl oder Getreide.

Entdeckt hat das Schiff Peter Schreiber, der selbst aus Schauenburg im Landkreis stammt, als er mit seiner Ehefrau in Kitzingen bei Würzburg am Mainufer stand. "Ich habe meinen Augen nicht getraut, als ich den Namen auf dem Frachter gelesen habe", sagt Schreiber der Redaktion am Telefon.

Ursprünglich stammt der Binnenfrachter mit der Kennung 02318642 – NL aus Millingen in den Niederlanden. In der dort ansässigen Werft wurde das Schiff gebaut und am 6. November 1948 zu Wasser gelassen. Auftraggeber war die Lagerungs- und Schifffahrtsgesellschaft "St. Johan" mit Sitz in Basel.

Insgesamt zehn Binnenfrachter, sogenannte Gütermotorschiffe, zählt das Schweitzer Unternehmen zu seiner Flotte. Jedes einzelne ist nach einer Burg in der Schweiz benannt – so auch die "Schauenburg". Von seinem Namensgeber in der Schweiz steht heute allerdings nicht mehr als nur eine Ruine. Die Burg stammt aus dem 11. Jahrhundert und liegt südlich von Basel.

Im Jahr 1979 dann gingen Leni Knierim und ihr Ehemann an Bord des Frachters. Drei Jahre fuhren sie unter "St. Johan" zwischen Rotterdam, dem Heimathafen der "Schauenburg", und Basel hin und her, um in der Schweiz die Supermärkte der Kette Coop mit Lebensmitteln zu beliefern. "Das war eine gute Zeit", sagt Lenie, die heute noch in den Niederlanden lebt. „Wir haben das Schiff dann irgendwann gekauft und haben unser eigenes Ding gemacht.“

Ihr Ehemann, der vor etwa zwei Jahren verstorben ist, entsprang einer Familie von Schifffahrern. Mit der „Schauenburg“ schipperten die Knierims nach Belgien, Frankreich, Luxemburg und, als der Main-Donau-Kanal freigegeben wurde, auch auf der Donau.

Ausflug nach Schauenburg

Baujahr 1948: Erbaut wurde die „Schauenburg“ in Millingen in den Niederlanden. Dort wurde sie am 6. November 1948 auch zu Wasser gelassen. Foto: privat / nh

Als Leni Knierim sich auf die Suche nach dem Namensursprung des Frachters gemacht habe, sei sie nicht auf die Schauenburg in der Schweiz, sondern die Gemeinde im Landkreis gestoßen. Im Juli 2013 hat das Ehepaar, das sein Schiff in der Zwischenzeit verkauft hatte, schließlich die Gemeinde im Landkreis besucht. "Das war immer unser Wunsch", sagt Knierim. "Wir sind mit dem Wohnwagen nach Schauenburg gefahren."

Heute ist der Binnenfrachter in Besitz des österreichischen Unternehmens "Pan Europe Line", Charter ist die Firma "Kühne und Nagel" in Regensburg. Laut Pressesprecher Friedrich Weigert fährt das Schiff im Rhein-Main-Donau-Verkehr, auch vorbei an Kitzingen bei Würzburg, beladen mit Trockengütern wie Eisenerz, Stahl oder Getreide.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.