Probleme durch hohen Krankenstand

Baunatal und Schauenburg: Post falsch zugestellt oder kommt gar nicht an

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Sind verärgert über die unregelmäßige Postzustellung: Renate und Wolfgang Thöne aus Martinhagen bekommen nur an wenigen Tagen in der Woche Post. Wichtige Dokumente erreichen die beiden viel zu spät. 

Baunatal/Schauenburg. Die Post steht in der Kritik: Tage- oder sogar wochenlang bleiben Hausbriefkästen leer. Briefe werden falsch zugestellt und kommen gar nicht an.

„Seit fast zwei Wochen bekommen wir unregelmäßig Post“, sagt Renate Thöne aus Martinhagen. Man könne sich nicht mehr auf die Post verlassen. Briefe würden verschwinden oder kämen erst Tage später an. „Es geht um das Prinzip“, sagt die 63-Jährige.

Sie seien kein Einzelfall in Schauenburg. „Auch unser Nachbar bekommt keine Post mehr. Unser Sohn in Elgerhausen und Bekannte in Breitenbach ebenso wenig“, fügt Thöne an. Regelmäßig telefoniere man mit dem Briefzentrum in Großenritte. „Es herrscht das absolute Chaos. In diesem Ausmaß haben wir das noch nicht erlebt“, sagt Thöne.

Das Ehepaar musste kurzfristig den Urlaub verschieben. „Wir erwarten noch Post vom Steuerberater und Finanzamt“, so der 67-Jährige. In der vergangenen Woche hatten viele Beschwerden über die Postzustellung auch die HNA-Lokalredaktion erreicht. Kritik gibt es zudem am nicht funktionierenden Beschwerdemanagement der Post. Man wisse im Callcenter zwar über betriebsbedingte Störungen Bescheid, teile dies Anrufern auch tagelang mit, aber unternommen werde nichts, so Thöne. „Uns wird immer gesagt, in zwei bis drei Tagen ist das Problem gelöst. Das stimmt allerdings nicht.“

„Auf meine Beschwerden wird überhaupt nicht reagiert", beschwert sich ein genervter Postkunde aus Altenritte, der anonym bleiben möchte. Vor Ort sei nie jemand als Ansprechpartner zuständig, und die Telefon-Hotline diene anscheinend eher dazu, Verantwortlichkeiten zu verwirren, als Kundenbeschwerden ernsthaft nachzugehen. Auch Christa Palmié aus Großenritte hat diese Wahrnehmung: Seit drei Wochen komme die Post unregelmäßig, sagt die Baunatalerin. Vorletzte Woche sei Montag, Dienstag und Mittwoch keine Post gekommen. Auf eine Zeitschrift warte sie heute noch. Vergangene Woche habe sie Montag, Mittwoch und Freitag nichts im Briefkasten gefunden. „Wir haben sonst jeden Tag Post“, versichert Palmié.

Post-Pressesprecher Thomas Kutsch räumt auf Anfrage ein, das es in den Standorten Baunatal und Schauenburg zu Problemen bei der Postzustellung gekommen sei. „Wir hatten einen erhöhten Krankenstand“, so Kutsch.

Letzte Woche habe er noch den Beschwerdebrief eines Gewerbetreibenden wegen ausbleibender Post erhalten, berichtet Schauenburgs Bürgermeister Michael Plätzer. Im Vorfeld der Bundestagswahl habe man im Rathaus festgestellt, dass Briefe plötzlich unregelmäßig kamen. Er habe dann bei der Deutschen Post in Bonn interveniert, um sicherzustellen, dass die Wahlunterlagen pünktlich zugestellt werden. Die Postboten hätten sich alle Mühe gegeben, meinte Plätzer, aber „die Post hat wohl ein strukturelles Problem.“ Eine Sendung zu diesem Thema lief am 27. September im hr-Fernsehen im Marktmagazin „Mex“.

Das sagt die Post: Erhöhter Krankenstand führte zu Ausfällen

Thomas Kutsch, Pressesprecher der Deutschen Post DHL in Frankfurt, räumt ein, dass es über einen längeren Zeitraum wegen der Erkankung mehrerer Mitarbeiter zu Zustellproblemen in der Gemeinde Schauenburg und Teilen von Baunatal gekommen sei. Man habe versucht, den Engpass unter Kontrolle zu bekommen. Das sei leider nicht immer gelungen. „Dafür müssen wir uns entschuldigen“, sagte Kutsch auf Anfrage. Die Zusteller der Nachbarbezirke hätten die Touren mit übernommen, diese dürften aber auch nicht mehr als die gesetzlich zulässige Zeit arbeiten. Wie groß die zeitlichen Verzögerungen gewesen seien, könne er im Einzelnen nicht sagen. Es sei nicht auszuschließen, dass das mehr als ein Tag gewesen sei. Seit Anfang vergangener Woche gebe es aber seines Wissen keine Probleme bei der Zustellung mehr, erklärte der Pressesprecher.

Bei Verlust von Briefen haftet die Post nicht

Wenn Briefe verschwinden oder viel zu spät zugestellt werden, wie es in Schauenburg und Baunatal in den vergangenen Wochen vorkam, haben es Kunden schwer, die Post in die Pflicht zu nehmen. Wurde ein Brief als normale Briefsendung verschickt, also unversichert, haftet die Post bei Verlust in keinster Weise. Die Post haftet nur, wenn für Sendungen Zusatzleistungen bezahlt wurden. Bei Briefen ist dies beispielsweise ein Einschreiben. Die Haftungshöchstbeträge liegen bei Briefsendungen per Einschreiben zwischen 20 und 25 Euro. Einen Ersatz von Folgeschäden durch verschwundene Briefe, zum Beispiel entgangene Gewinne oder Zinsen, schließt die Post aus. Für Kunden besteht die Möglichkeit ein Postfach für 19,90 Euro im Jahr zu mieten und Briefe selbst abzuholen.

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