Bürgerversammlung in Schauenburg: Suedlink-Gegner machten Ärger Luft

Stand Rede und Antwort: Tennet-Mitarbeiter Roland Czekalla. Über 500 Gäste verfolgten die Veranstaltung in der Schauenburghalle in Hoof. Fotos: Dilling

Schauenburg. Vor der Schauenburghalle wurden Besucher lautstark mit Transparenten, Ratschen, Trillerpfeifen und Sprechchören empfangen. 

Auch drinnen bei der Bürgerversammlung machten die Gegner der Höchstspannungs-Stromtrasse Suedlink, die in einigen Jahren die Gemeinde Schauenburg durchschneiden könnte, ihrem Ärger und ihrer Wut über das Vorhaben Luft. Gemeindevertretungsvorsitzender Rolf-Martin Barkhof musste häufig Zwischenrufern in die Parade fahren. Tennet sei eigentlich der falsche Gegner, die Politiker seien die richtigen Adressaten.

Die Resonanz auf den Infoabend mit Vertretern des Netzbetreibers Tennet und Mitgliedern der gerade gegründeten Bürgerinitiative war riesig: Geschätzte 500 Bürger verfolgten den - von den Trassengegner teilweise sehr emotional geführten -Schlagabtausch um das Für und Wider von Suedlink und den als Variante geplanten „Korridor“ für das bis zu 70 Meter hohe Stromkabel-Gestänge durch Schauenburg. Sieger gab es in der Debatte keine, doch die Fronten sind klar: Die Gemeinde will die Trasse nicht.

Betty Singer von der BI wies auf Biotope, Wanderwege, Kraniche und Naturschutzgebiete in Schauenburg hin sowie auf einen Engpass zwischen Martinhagen und Breitenbach, wo die Trasse viel zu dicht an die Häuser heranrücken müsse. Der Aufbau des Tourismus in Schauenburg werde zunichtegemacht. „Das trifft uns ins Herz“, sagte sie.

Erdmuthe Hoeft von der BI stellte den Sinn der Trasse, die Strom von den Windkraftanlagen vor der Küste nach Bayern transportieren soll, infrage. „Wir haben genug Strom, er wird ja sogar ins Ausland exportiert“, sagte sie. Wie andere Bürger beklagte sie den drohenden Wertverlust der Eigenheime.

Kartenstudium: Josef und Joachim Nagel sowie Eric Tamm (von links) stellten fest, dass die Trasse auch ihr Dorf Elgershausen schneiden könnte.

Besucherin Annika Firgens fragte den Tennet-Vertreter Roland Czekalla, warum er für eine Stromtrasse werbe, die Kinder und Erwachsene gesundheitlich gefährde: „Wie können Sie das mit Ihrem Gewissen vereinbaren?“

Czekalla blieb aber gelassen und hatte auf - fast - alles eine Antwort: Gesundheitsgefahren? Die Grenzwerte würden unterschritten oder Gefahren seien gar nicht nachweisbar. Mindestabstände zur Wohnbebauung und Biotope? Sei alles berücksichtigt und eingehalten. Warum überhaupt so eine riesige Trasse und keine dezentrale Energieversorgung? Da sei nicht Tennet, sondern die Politik zuständig.

Trassengegner Karl Engelbrecht beklagte da, dass man keine Fachleute aufgeboten habe, um Tennet Paroli zu bieten.

Nur bei einer Frage von Hans Eidam kam der Tennet-Vertreter ins Stocken: Wie denn Tennet mit der Trasse durch den Wald der Langenberge kommen wolle, fragte der Bürger. Da müsse wohl gerodet werden oder die Bäume ganz hoch überspannt werden. „Das ist ein Nachteil für das Landschaftsbild“, räumte er ein.

Von Peter Dilling

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.