Bürgermeisterin Gimmler will Ortstermin abwarten

Elgershäuser Alltagshelden droht eine Anzeige

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„Ich bin grundsätzlich für Ordnung und stehe zu meiner Tat“: Fritz Reuter vor dem Gartenzaun seines Grundstücks an der Großenritter Straße 3 in Elgershausen.

Schauenburg. Hätte Fritz Reuter aus Elgershausen gleich gesagt, dass die Gemeinde die Straßenschilder auf seinem Privatgrundstück unterbringen dürfte, dann wäre man schon längst auf ihn zugekommen. Das sagte Schauenburgs Bürgermeisterin Ursula Gimmler (CDU) auf Anfrage der HNA.

Dann hätte die Straßenverkehrsbehörde der Gemeinde Schauenburg nämlich Hessen Mobil informiert und die Straßenbauverwaltung hätte die Schilder an einem anderen Ort aufgestellt.

Wäre das so glatt gelaufen, dann wäre jetzt alles gut: Landkreis und Gemeinde müssten sich nicht um die Zuständigkeit in der Sache streiten (die HNA berichtete) und Bürgermeisterin Gimmler müsste nun nicht überlegen, ob sie den 81-jährigen Rentner wegen Sachbeschädigung anzeigt. Denn diese Drohung steht nun im Raum. Dabei hat der ältere Herr doch nur ein Problem gelöst, von dem die Behörden zwar wussten, gegen das sie aber partout nichts unternahmen.

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Konkret geht es um zwei Hinweisschilder, an die immer wieder Frauen mit Kinderwagen und Rollstuhlfahrer stießen. Der Grund: Die Schilder standen ungünstig auf dem Bürgersteig. Fritz Reuter fackelte nicht lange und flexte zusammen mit einem Nachbarn dieselben einfach ab. Allerdings nur, um sie praktisch an gleicher Stelle am Zaun seines Grundstücks zu befestigen. Seither ist der Rentner in Elgershausen so etwas wie ein Held des Alltags.

Ihm droht nun aber eine Strafanzeige wegen Sachbeschädigung - „je nachdem, wie kooperativ er sich beim Ortstermin zeigt“, sagt Gimmler. Bei diesem Termin sollen alle Beteiligten am Tatort zusammenkommen. Hessen Mobil, die Straßenmeisterei Wolfhagen, die Bürgermeisterin und natürlich Fritz Reuter werden sich ein Bild von der Lage machen und gemeinsam nach einer „für alle Beteiligten vernünftigen Lösung suchen“. Es müsse geprüft werden, dass nach der Umschilderung die Statik gewahrt ist und dass die Schilder nicht beschädigt worden sind, sagte Gimmler. Und: „Man darf sich grundsätzlich nicht an fremdem Eigentum vergreifen.“

Fachgerecht montiert: Um die Schilder sicher zu befestigen, bohrte Reuter ein Loch in die Betonmauer.

Hessen Mobil, Besitzer der Schilder, verzichtet auf eine Anzeige, bestätigte Pressesprecher Horst Sinemus gegenüber der HNA. „Wer Schilder beseitigt, zum Beispiel Umleitungsschilder vom Standort entfernt, der wird zur Verantwortung gezogen.“ Grundsätzlich sei es allerdings nicht in Ordnung, was Reuter getan habe, schließlich könne ja sonst jeder ein Parkverbot, das ihm nicht passe, woandershin verlagern.

Hessen Mobil hatte die Schilder vor vielen Jahren an dem ursprünglichen Ort auf dem Bürgersteig an der Großenritter Straße 3 platziert, Auftraggeber dafür war die Gemeinde Schauenburg. Übrigens sei es gar nicht lange her, dass die Schilder durch größere ersetzt wurden, erinnert sich Bürgermeisterin Gimmler.

Fritz Reuter wird seit seiner Tat als Held gefeiert, seine Nachbarn loben, er habe ihnen mit dem Entfernen der Schilder einen Gefallen getan. Wie es nun mit dem 81-Jährigen strafrechtlich weitergeht, bleibt vorerst offen. Ein Datum für den Ortstermin gibt es nach Angaben der Bürgermeisterin nämlich noch nicht.

81-Jähriger setzte eigenmächtig Verkehrsschilder um

Hintergrund: Wer für Verkehrsschilder zuständig ist

Die Zuständigkeiten bei verkehrsrechtlichen Fragen regelt eine Verordnung des Landes Hessen. Bei einer Gemeinde mit mehr als 7500 Einwohnern ist die eigene Straßenverkehrsbehörde für die Platzierung von Verkehrsschildern zuständig. Hessen Mobil ist bei allen Kommunen ohne eigene Fachbereiche für diese Zwecke ausführende Behörde. Sie baut die Schilder an den von der Gemeinde vorgegebenen Stellen auf. Sie ist auch Eigentümerin der oben genannten Verkehrsschilder.

Von Anna Lischper

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