Zeitzeuge war damals 14 Jahre alt

Erinnerung an den 29. Januar 1945: 200 Bomben auf Breitenbach

180 Bombentrichter und 20 Blindgänger: Das Hauptwirtschaftslager der SS (der Schutzstaffel der NSDAP) bei Breitenbach wurde am 29. Januar 1945 bombardiert. Klaus Nickel (links) und Hans Friedrich vom Geschichtsverein Schauenburg betrachten das Gebiet auf der Karte. Fotos: Wienecke

Schauenburg. Wenn Hans Friedrich aus Breitenbach sich an den 29. Januar 1945 erinnert, merkt man ihm seine Betroffenheit an. Bomben hagelten nieder.

Gemeinsam mit Klaus Nickel, der ebenfalls Mitglied des Geschichtsvereins Schauenburg ist, schaut er sich auf der Karte an, wo im Zweiten Weltkrieg vor 70 Jahren 200 amerikanische Bomben abgeworfen wurden.

Ziel des Fliegerangriffs war das Hauptwirtschaftslager bei Breitenbach, das die SS, die Schutzstaffel der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), unterhielt. „Zuvor war dort das Getreidelager der Firma Döpfer und das Mühlenwerk A. Müller“, berichtet Klaus Nickel (67), der nicht in Breitenbach aufwuchs. Auch das Haus der Familie Bollerhey nebenan, die Gastwirtschaft Zum Falkenstein, wurde vereinnahmt, die Eigentümer mussten nach Martinhagen ausweichen.

Hans Friedrich (84) war damals 14 Jahre alt. „Ich hatte die Schule beendet und machte eine Lehre als Schreiner bei meinem Vater“, sagt er. „Wir wussten, dass das Lager dort war, bekamen aber nicht viel davon mit und haben mit einer Bombardierung nicht gerechnet“, erläutert er. Der Standort sei gewählt worden, da es einen Bahnanschluss der Naumburger Kleinbahn mit einem Anschlussgleis zu den benachbarten Breitenbacher Steinbrüchen gab.

Alkohol, Zigaretten, Kosmetikartikel wie Seife, Schokolade und getrocknete Zwiebeln wurden dort in großen Mengen zur Versorgung der Truppen gelagert. „Seit September 1943 überflogen englische und amerikanische Flieger Breitenbach. „Jeder flüchtete in seinen Keller und konnte nur noch beten“, erinnert sich Hans Friedrich. Die amerikanischen Flugzeuge, die er an dem Stern darauf erkannte, kamen um 12 Uhr. „Die viermotorigen Bomber flogen in Vierergruppen, es waren 20 bis 30 Stück“, sagt er. 180 Trichter entstanden durch die Bombardierung mit Durchmessern bis zu zehn Metern, 20 Blindgänger versanken metertief im Boden. „Die große Halle brannte lichterloh, wir löschten mit Wasser aus der Ems“, erzählt der Schreinermeister, der auch Beerdigungsunternehmer ist und sich damals bereits bei der Feuerwehr engagierte.

Antonie und Eva Müller, Frau und Tochter des Sturmbannführers, der das Hauptwirtschaftslager damals leitete, kamen bei dem Angriff 1945 ums Leben. Sie waren Jahrgang 1901 und 1936. Ihr Grab befindet sich auf dem Friedhof in Breitenbach. Drei Soldaten, die ebenfalls starben und deren Namen nicht bekannt sind, wurden später von dort in die Kriegsgräberstätte in Bad Emstal überführt.

Von Bettina Wienecke 

Bomben auch auf Elgershausen

Dieselbe Fliegerstaffel habe eine Viertelstunde später auch Elgershausen bombardiert, berichtet Zeitzeuge Karl Werner (79). „Die haben da einen Bombenteppich gelegt“, erinnert sich der Elgershäuser an den 29. Januar 1945. Sieben Passanten, die von der Herkulesbahn von Kassel gekommen seien, hätten sich in ein Haus Am Brand geflüchtet. „Das Haus wurde voll getroffen“, berichtet Werner. Alle sieben Menschen seien ums Leben gekommen. Werner vermutet, dass dieselben Maschinen dann das Schloss Wilhelmshöhe und die Löwenburg bombardierten. (sok)

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