Aktion gegen Kinderlähmung

Mit Deckeln Leben retten: Zwei Elmshager haben 450 Kilo Plastik gesammelt

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Deckel ohne Ende: Leonie Friedrich (links) und Alexandra Werner aus Schauenburg-Elmshagen sammeln Plastik für die Aktion „Deckel gegen Polio“.

Schauenburg. Wenn sich die zehnjährige Leonie Friedrich etwas Wichtiges in den Kopf setzt, steht sie dafür ein – auch wenn die Idee erst einmal verrückt klingt. 

Das Mädchen aus Schauenburg-Elmshagen sammelt gemeinsam mit Alexandra Werner Plastikdeckel - für einen guten Zweck.

Damit unterstützen sie die Aktion „Deckel gegen Polio – 500 Deckel für ein Leben ohne Kinderlähmung“. Bereits rund 450 Kilogramm sind dabei zusammengekommen.

Aber zurück zum Anfang. Alles begann vor dem Fernseher, als Leonie die Sendung Logo auf dem Sender Kika schaute. Dort wurde eine Aktion vorgestellt, die einfacher kaum sein könnte: Ein deutscher Verein sammelt Plastikdeckel aus den wertvollen Materialien HDPE (Polyethylen) und PP (Polypropylen) und spendet den Erlös an das Programm „End Polio Now“, dass mit dem Geld Impfungen gegen die teils tödliche Kinderlähmung finanziert. 

So sieht der Sammelbehälter aus: Der Eimer steht am Feuerwehrhaus, Falkensteinstraße 12 in Schauenburg-Elmshagen.

Leonie versuchte ihre Mutter Kerstin Friedrich mit ins Boot zu holen: „Wir müssen ab jetzt alle Plastikdeckel aufheben. Damit kann ich Kinderleben retten.“ Ihre Mutter war erst skeptisch: „Da musst du etwas falsch verstanden haben“, habe sie entgegnet. Feuerwehrjugendwartin Alexandra Werner, die Leonie aus der Feuerwehr kennt, hatte aber etwas ähnliches gehört.

Und so nahm die Erfolgsgeschichte ihren Lauf: Alexandra Werner und Leonie machten gemeinsam an der Feuerwehr Elmshagen eine Sammelstelle für Plastikdeckel auf und die Viertklässlerin mobilisierte direkt ihre Mitschüler: „Sie ist von Klasse zu Klasse gegangen und hat Lehrer und Kinder von der Aktion überzeugt“, sagt Mutter Kerstin Friedrich. Das war im April 2017.

Mittlerweile kommen säckeweise Deckel zusammen: Rund acht prall gefüllte Müllbeutel sind es pro Woche. Zwei bis drei Stunden lang sind sie damit beschäftigt, manch falschen Deckel auszusortieren und nachher richtig zu verpacken. Dann geht’s auf nach Naumburg, wo die nächste Lagerstelle ist.

Es fehlt der Stauraum, um Deckel zu lagern

Die Wohltäter sind immer noch überrascht: „Wir hätten nicht gedacht, dass die Aktion so gut ankommt“, schwärmt Alexandra Werner. Nicht nur im Dorf würden die Bürger jetzt Deckel zur Sammelstelle bringen – auch darüber hinaus halfen viele Menschen mit.

Die Mutter der Viertklässlerin ist jedenfalls mächtig stolz auf ihre Tochter: „Ich bin froh, dass sie sich vor knapp einem Jahr nicht von meiner Skepsis abhalten ließ und ihre Idee auch an andere weitergegeben hat“, sagt Friedrich. Sie unterstützt ihre Tochter und Alexandra Werner tatkräftig, auch beim Abholen von Deckeln. Wie lange sie noch weitermachen wollen? „Solange wir die Aktion stemmen können, wird fleißig gesammelt“, sagen sie. Allerdings fehle ihnen mittlerweile der Stauraum, um die Deckel zu lagern. Jetzt hoffen sie auf ein Platzangebot.

Kampf gegen Kinderlähmung

Die Vorstellung, mit wenig Geld und wenig Aufwand Leben zu retten, klingt doch unglaublich. Der Verein „Deckel drauf“ macht es möglich. Fragen und Antworten wie der Verein mit dem Sammeln von ein paar Deckeln gegen Kinderlähmung kämpft.

Was ist Polio, und wer ist davon betroffen?

Das Poliovirus befällt die Nervenzellen. Die Infektion kann zu irreversiblen Nervenschäden, Lähmungen oder sogar zum Tod führen. Laut WHO sind meist Kinder unter fünf Jahren von der Krankheit betroffen.

Wer steckt hinter der Deckel-Sammel-Aktion?

Der Rotary Gemeindienst mit Sitz in Nordrhein-Westfalen hat es sich in Kooperation mit der Weltgesundheitsorganisation zur Aufgabe gemacht, die Krankheit Polio weltweit auszurotten. Zu diesem Zweck wurde im Jahr 2014 der Verein Deckel drauf gegründet.

Wem kommt die Aktion zugute?

Mit den Einnahmen werden durch das Programm „EndPolioNow“ Kinder weltweit mit Schluckimpfungen gegen Polio versorgt.

Wohin also mit den Kunststoffdeckeln?

Jeder kann Kunststoffdeckel mit bis zu vier Zentimetern Durchmesser sammeln und in der nächstgelegenen Sammelstelle abgeben.

Was passiert mit den Deckeln?

Von den Sammelstellen werden die Deckel an Lagerstellen weitergeleitet. Von dort aus geht es weiter zu den Verwertern.

Was macht die Deckel so wertvoll?

Die gesammelten Kunststoffdeckel bestehen aus HDPE (High-Density-Polyethylen) oder PP (Polypropylen). Diese Art von Kunststoff ist recycelbar. Aus dem recycelten Produkt können neue Dinge hergestellt werden, beispielsweise Gartenbänke und Plastikrohre.

Warum ausgerechnet 500 Deckel für eine Impfung?

Ein Kunststoffdeckel wiegt zwei Gramm. 500 Deckel wiegen somit ein Kilogramm. Von 500 Deckeln kann eine Schluckimpfung bezahlt werden, die laut Verein, 50 US-Cent kostet.

Was kann man tun, um dem Verein zu helfen?

Alle Informationen für Helfer und Angaben zu Sammel- und Lagerstellen gibt es auch im Internet unter: 

www.deckel-gegen-polio.de

Fragen und Antworten von Marie Sangmeister

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