„Ich bin begeistert über die Großzügigkeit“

Hilfe für krebskranke Frau aus Elgershausen: Nachbarn fahren sie in die Klinik 

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Wollen der kranken Renate Simon helfen: Manfred Stronzyk, Renate Simon, Uwe Meister und Berbel Meister. 

Schauenburg. Renate Simon aus Elgershausen kämpft gegen ihre Krankheit, aber auch gegen die Krankenkasse: Die BKK Herkules zahlt ihre Fahrten zu Untersuchungen nicht mehr. Jetzt bekommt sie Hilfe. 

Der jahrelange Kampf mit der Krankheit ist ihr anzusehen. Ihr Alltag wird oft zur Qual. Renate Simon aus Elgershausen hat Bauchspeicheldrüsenkrebs und leidet an neuroendokrinen Tumoren. Doch momentan kämpft sie zudem eine andere Schlacht: Gegen die Krankenkasse und die gesetzlichen Verordnungen. Die BKK Herkules zahlt ihre Fahrten zu Untersuchungen in die Klinik nach Marburg nicht mehr, da sie die Bedingungen nicht mehr erfülle.

„Das ist eine Sauerei“, sagte Simon, die – anders als im letzten Bericht – jetzt nicht mehr anonym bleiben will. „Ich möchte mit meiner Geschichte auf das Problem aufmerksam machen“, sagt sie und ist sauer: „Ich habe die Schnauze voll, seit 2014 kämpfe ich um mein Leben.“ Dass sie nicht alleine dasteht, zeigten Reaktionen auf den Artikel vom 18. Juli. Mehrere Menschen stellten sich bereit, Renate Simon zu Untersuchungen in die Marburger Klinik zu fahren, die für sie alle zwei Monate ansteht. Einer davon ist Manfred Stronzyk aus Elgershausen. „Ich erfuhr in der Zeitung von ihrem Problem und dachte, da muss man was unternehmen“, so Stronzyk, der wenige Straßen von Simon entfernt wohnt. „Daher passte es umso besser.“

Per Telefon entstand der erste Kontakt und schnell war klar: Der Kindergärtner und Kraftfahrer fährt die 69-Jährige am 25. September in die Marburger Uni-Klinik – und würde auch weitere Fahrten übernehmen.

„Ich bin begeistert über die Großzügigkeit“, sagt Simon, die lange überlegt habe, ob sie die Hilfe annehmen soll. „In gewisser Weise schäme ich mich auch“, sagt sie. Auch wenn sie sich über das Engagement freut, hoffe sie gleichzeitig, dass Fahrten durch Hilfsbereite wie Stronzyk nicht zum Regelfall werden: „Dann wäre die Krankenkasse ja raus aus der Sache.“ Die Schwerbehinderte hofft weiterhin, dass ihre Krankenfahrten zu medizinischen Untersuchungen von der BKK Herkules übernommen werden, wie sie es zuvor viele Jahre wurden.

Ein Hoffnungsschimmer ist ein Schreiben ihrer Onkologin, Dr. med. Sandra Tebbe, die sich per Schreiben an die Kasseler Krankenkasse wendete. Darin heißt es: „Die Patientin befindet sich in deutlich eingeschränktem Allgemeinzustand mit Schwierigkeiten beim Gehen, zudem besteht eine zunehmende Atemnot.“ Die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel sei daher unmöglich. „Wir bitten dringend um Kostenübernahme der Taxifahrten zur Therapieverlaufskontrolle“, heißt es weiter.

Spende für zwei Fahrten

Nicht nur freiwillige Fahrer meldeten sich bei Simon. Uwe Meister aus Elgershausen teilte ihren Fall bei Facebook und rief zum Sammeln von Spenden auf. Heraus kamen 540 Euro, die Meister gemeinsam mit seiner Frau Berbel übergab. Berbel Meister ist eine jahrzehntelange Freundin, erfährt Simons Leiden seit vielen Jahren hautnah. „Wir wussten, dass das Geld hier richtig ankommt“, sagt sie. Das gespendete Geld reiche für zwei Taxi-Fahrten, das sei auch das Ziel gewesen. Doch damit sei es nicht getan. „Wir müssen den Krankenkassen Druck machen“, sagt Uwe Meister.

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