Kreis Kassel gibt immer mehr Straßen an Gemeinden ab

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Um dieses Straße geht es: Die Altenritter Straße, die die Ortseinfahrt nach Schauenburg-Elgershausen ist, soll zur Gemeindestraße abgestuft werden. Unser Foto ist im Oktober 2007 entstanden. Damals war sie saniert worden, blieb aber wellig.

Schauenburg / Baunatal. Der Landkreis Kassel stuft immer mehr Kreisstraßen zu Gemeindestraßen ab, um die Kosten für die Instandhaltung dafür zu sparen.

Denn bei Straßen, die für den Verkehr zwischen zwei Ortschaften oder Ortsteilen nicht so wichtig sind (siehe Kasten rechts unten), ist das sinnvoll. Die Instandhaltung übernimmt dann die Kommune. Sie entscheidet auch, wie schnell darauf gefahren werden darf und welche Fahrzeuge sie nutzen dürfen.

Bei fünf Kreisstraßen, darunter die K 22 von Schauenburg nach Großenritte und die K 18, die Baunatal-Rengershausen und Baunatal-Guntershausen verbindet, ist ein Teil der Straße bereits abgestuft worden. Bei der K 22 ein Teilstück von rund drei Kilometern, bei der K 18 rund zwei Kilometer.

Sechs weitere Kreisstraßen sollen dazukommen, unter anderem die K 20 in Schauenburg-Elgershausen. Es handelt sich um die 800 Meter lange Ortseinfahrt von Elgershausen, die Altenritter Straße, die an das neu entstehende Baugebiet Fiedelhof-Süd II angrenzt.

Ursula Gimmler

„Wir möchten die Straße haben, um die Grundstücke attraktiver zu machen“, sagte Bürgermeisterin Ursula Gimmler (CDU). Zurzeit dürfen auf der Straße keine Einfahrten entstehen, weil das bei Landesstraßen verboten ist. Ob sie allerdings zur Gemeindestraße zurückgestuft wird oder ganz stillgelegt werden soll, darüber ist das Gemeindeparlament noch uneinig (wir berichteten).

„Für uns ist die Straße entbehrlich und wir würden sie gerne abgeben“, sagte Uwe Koch, Leiter der Abteilung Verkehr und Sport im Landratsamt. Grundsätzlich gehe es beim Thema, wer die Kosten für die Instandhaltung von Straßen trägt, darum, sich den „Schwarzen Peter“ zuzuschieben, so Koch. „Es ist ein Käufermarkt, kein Verkäufermarkt.“ Verkäufer ist der Landkreis.

Wenn man mit den Kommunen über die Bedeutung spreche - Abstufung ja oder nein -, seien diese manchmal zu Verhandlungen bereit, manchmal würden sie aber auch sofort abwinken, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. „Darüber sind wir immer im Gespräch mit den Gemeinden.“ Die Entscheidung selbst werde nur im Konsens gefällt. „Würden wir die Straße einfach abstufen, würde uns die Gemeinde über den Zustand der Straße verklagen.“ Denn: Übernommen werden in der Regel nur sanierte Straßen, die 30 Jahre halten.

Uwe Koch

Oft ist die Abstufung auch im Interesse der Gemeinde, etwa bei der Altenritter Straße. Bei der K 18 war Baunatal an der Abstufung interessiert. „Das Ziel der Stadt war es, die Lkw aus dem Ortsteil Rengershausen herauszubekommen“, sagt Koch. Denn für die erteilte die Stadt prompt ein Durchfahrtverbot. Um die 310 Kilometer Kreisstraßen-Asphalt in Schuss zu halten, seien 2,1 Millionen Euro pro Jahr nötig, sagte Koch. 2015 sind im Haushalt allerdings eine Million weniger vorgesehen. „Wir sind in einem Dilemma: Es ist wie mit einem Haus, das schon Schäden hat, und je länger man wartet, desto schlimmer werden sie.“ Dadurch vervierfachten sich die Kosten.

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