Hessischer Bauernverband rechnet mit Einbußen bei der Ernte

Landwirte klagen: Dem Getreide fehlt das Wasser

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Staubige Angelegenheit: Wie auf diesen Feldern bei Baunatal-Rengershausen sind die Landwirte derzeit überall in der Region dabei, das Getreide abzuernten. Die Bauern befürchten aber deutliche Einbußen. Fotos: Sven Kühling

SchaUenburg. Fast täglich Temperaturen an die 30 Grad und kaum Regen: Dieser Sommer lässt zwar bei vielen ein Dauer-Urlaubsgefühl aufkommen, die Landwirte leiden aber unter dem Klima.

Bei den Erträgen aus dem Winterweizen beispielsweise rechnet der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Karsten Schmal, mit Einbußen von 15 bis 30 Prozent, beim Winterraps zwischen zehn und 40 Prozent. Das berichtete Schmal jetzt beim Pressegespräch zur Erntesituation auf dem Hof von Bernd Bollerhey in Schauenburg-Martinhagen.

Überall in der Region sind die Landwirte wegen der großen Trockenheit bereits auf den Feldern, um das Getreide zu ernten, viel früher als üblich. „Ich habe noch nie erlebt, dass am 15. Juli Weizen gedroschen wurde“, sagte der Präsident. Diese mit Abstand wichtigste hessische Getreideart sei jetzt fast überall reif. In normalen Jahren dreschen die Bauern den Winterweizen in Hessen meist Ende Juli und hauptsächlich im August. Schmals Fazit: „Insgesamt werden wir in Hessen in diesem Jahr eine unterdurchschnittliche Ernte einfahren.“

Doch nicht alles ist schlecht im Super-Sommer 2018. Die Qualität des Getreides stimme, sagten Schmal und Erich Schaumburg, Die Ähren sind zwar kürzer und die Halme sind kürzer als im vergangenen Jahr. Die Qualität aber stimmt.

Sie verschafften sich einen Eindruck über die Erntesituation: Landwirt Bernd Bollerhey (vorne von links) und Karsten Schmal, Präsident des Hessischen Bauernverbandes, sowie die Landwirte und Direktvermarkter Arno Kreuder (hinten von links), Matthias Bott, Lukas Bollerhey und Erich Schaumburg, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, Reinhard Schulte-Ebbert, Geschäftsführer des Verbandes, sowie Landwirt Ernst Winfried Döhne aus Istha.

Schaumburg sieht eine besondere Herausforderung auf die Pflanzenzüchter zukommen. Diese müssten Getreidesorten züchten, „die den Klima-Kapriolen eher gewachsen sind“.

Wegen regional verschiedener Niederschlagsmengen ist die Lage im Landkreis Kassel laut Schaumburg entsprechend. Vor allem im Kasseler Osten gebe es Gebiete, da sei der Niederschlag „fast gegen null gelaufen“. Der Vorsitzende sieht Defizite besonders bei der Rapsernte auf die Landwirte zukommen. Er gehe von Verlusten zwischen 30 und 80 Prozent aus. Da müsse man bei der Vermarktung noch Geld mitbringen, sagte er.

Landwirt Bernd Bollerhey ist grundsätzlich zufrieden mit der Ernte auf seinen Feldern. Beim Weizen könnte es eine normale Ernte geben, sagte er. Grund: Um Martinhagen herum hat es immer mal Niederschlag gegeben. Darum seien die Einbußen nicht so hoch. „Da sieht man mal, wie abhängig man vom Regen ist.“

Landwirtskollege Arno Kreuder, der Selbstgeschlachtetes in Schauenburg direkt vermarktet, nennt neben den negativen Auswirkungen dieses trockenen Sommers ebenfalls einen positiven Aspekt für sein Geschäft: Seit April hätten die Leute viel Grillfleisch gekauft. „Das ist ein Produkt, das läuft.“

Die Kartoffelernte fällt nach Angaben des Landwirts allerdings nicht so gut aus, wie im vergangenen Jahr, das besonders gut war. „Wir haben pro Staude etwa 20 Prozent weniger Knollenansatz.“ Kreuder geht davon aus, dass es gegenüber 2017 bis zu 40 Prozent weniger Kartoffeln geben wird.

Übrigens: Wegen der Futterknappheit für Rinder auf den Weiden wurden jetzt stillgelegte Flächen in den Kreisen Kassel, Werra-Meißner und Schwalm-Eder zur Nutzung frei gegeben.

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