Letzte Bücherei in Schauenburg macht zu 

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Die letzten Bücher werden ausgeräumt: Marianne Höhle war 43 Jahre Leiterin der Ortsteilbücherei in Schauenburg-Hoof. 

Schauenburg. Die 10.000-Einwohner-Gemeinde muss in Zukunft ohne Bücherei auskommen. Nach 43 Jahren schließt die letzte Ortsteilbücherei in Schauenburg-Hoof. Die Gründe: zu wenig Besucher, hohe Kosten und der digitale Wandel.

Marianne Höhle hat die Veränderungen miterlebt. Seit der Gründung leitet die gelernte Großhandelskauffrau die Ortsteilbücherei.

„Der Besucherrückgang zieht sich schon über Jahre hinweg“, sagt Höhle. Es seien immer weniger Interessenten gekommnen. „Wir haben auch eine Kooperation mit der Grundschule versucht“, erklärt sie. Aber das sei sehr schwierig gewesen und habe letztlich nichts gebracht, da die Schule nun eine eigene Schulbücherei habe. Höhle kann anhand ihrer Unterlagen ablesen, dass die Besucherzahlen und Entleihungen in den vergangenen Jahrzehnten gesunken sind.

Regelmäßige Kunden gab es trotzdem. Für eine Jahresgebühr von fünf Euro konnten sich Erwachsene Bücher drei Wochen lang ausleihen. „Die Inventarliste habe ich handschriftlich geführt. Einen Computer hatten wir in der Bücherei nicht“, sagt sie.

Höhle sieht nicht nur in den Kosten einen Grund für die Schließung, sondern auch in der vielfältigen Konkurrenz: „Ich denke, ein Grund warum uns die Besucher fehlen, ist auch, weil Schulbüchereien sehr gefördert worden sind, die Lesekompetenz von Kindern zu stärken.“ Genauso sei die gut aufgestellte Stadtbücherei in Baunatal eine Konkurrenz zu der deutlich kleineren Bücherei in Schauenburg. Knapp 5000 Bücher gibt es in dem mit Regalen gefüllten Raum in der Grundschule, die Hälfte davon sind Romane. Kinder- oder Jugendbücher kämen bei den Kleinen nicht mehr so richtig an. Sachbücher schon gar nicht.

1974 eröffnete die Bücherei im evangelischen Gemeindehaus in einem kleinen Raum.

„Damals wollte der ehemalige Bürgermeister Erich Schmidt eine Bücherei eröffnen“, erinnert sich Höhle. Sie und ihr Mann Friedhelm überlegten nicht lange und nahmen das Angebot an. „Mein Mann hat mich bei meiner Arbeit immer unterstützt. Wir sind ein eingespieltes Team“, sagt Höhle. Den ersten Umzug gab es 1983 in ein altes Raiffeisengebäude. Der Zweite in die Grundschule fand 1996 statt.

Von 2006 bis 2014 leitete Höhle zudem die Ortsteilbücherei in Breitenbach. Seit dem 1. August ist sie in Rente. „Ich bin schon ein bisschen traurig, das nach so einer langen Zeit die Bücherei schließt“, sagt Höhle. Sie will sich jetzt ganz auf die Gemeindearbeit konzentrieren, da sie auch Ortsbeirätin in Hoof ist.

Am 18. November 2017, werden zwischen 13.30 Uhr und 17 Uhr die letzten Bücher der Bücherei auf einem Bücherbasar an der Grundschule in Hoof verkauft.

Sollten nach dem Bücherbasar noch Bücher übrig bleiben, öffnet die Bücherei noch an ausgewählten Tagen. Am Ende des Jahres soll dann aber definitiv Schluss sein, so Höhle.

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