Mit Pop zur letzten Ruhe: Trauerredner Rolf Scholze erfüllt Sonderwünsche

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Ganz in Schwarz: So kleidet sich Rolf F. W. Scholze für seine Trauerreden.

Schauenburg. Es gibt Menschen, die wollen für die Zeit nach ihrem Tod nichts dem Zufall überlassen. Sie wählen zu Lebzeiten ihren Sarg aus, bestimmen die Komposition, die in der Kapelle für sie gespielt werden soll, und redigieren die Trauerrede, die vor den Angehörigen gehalten werden soll.

Das sagt zumindest Rolf F.W. Scholze aus Elmshagen, der sein Geld unter anderem mit Trauerreden verdient. Scholze steht dann anstelle des Pfarrers vor der Trauergemeinde.

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Der Mann mit dem mächtigen, gepflegten Vollbart schreibt nicht nur Sätze, die der Beerdigung Würde geben und den Angehörigen Trost spenden sollen. Auf Wunsch greift er auch zur Gitarre, zur Mundharmonika oder in die Tasten seines Keyboards, um die Zeremonie stimmungsvoll mit den Lieblingsklängen des Verstorbenen zu untermalen. 20- bis 30-mal werde er pro Jahr gebucht, berichtet der gebürtige Münsteraner, der gelernter Werbekaufmann und studierter Marketing-Fachmann ist.

Es darf dann gern auch mal ein Popsong sein. Beliebt sei das Lied "Der Weg" von Herbert Grönemeyer, das der Popbarde seiner früh an Krebs gestorbenen Ehefrau widmete. Aber auch "The house of the rising sun", eine Hymne aus der Flower-Power-Zeit, sei gefragt.

"Der Pfarrer kann das nicht bieten", sagt Scholze, der unter seiner Firma Dr. Eisenbarth auch als Lebens- und Gesundheitsberater mit Schweizer Diplom und Vorträgen sein Geld verdient. "Die kirchliche Beisetzung läuft oft ohne die geforderte Individualität ab", meint Scholze. Er berichtet, dass er vor zwölf Jahren seine erste Trauerrede gehalten habe, vor dem Sarg eines jungen Mannes, der tödlich verunglückt war. Die Ansprüche von Angehörigen an Bestattungsfeiern wüchsen, sagt Scholze. Das gelte vor allem für Gutbetuchte. Die Familie eines Unternehmers aus Fritzlar habe beispielsweise dessen Beerdigungsfeier in seiner Fabrik organisiert. Scholze hielt die Trauerrede. Für mittellose Verstorbene rede er schon mal gratis, sagt er.

Er nehme sich mehr Zeit, als das der Pfarrer könne, um die Persönlichkeit des Verstorbenen "zu ergründen", berichtet der Wahl-Elmshagener und ergänzt: "Pfarrer haben viel zu tun." Er habe auch schon gemeinsam mit dem Geistlichen vor der Trauergemeinde Reden gehalten.

Ohne religiöse Heimat

Zu seinen Kunden zählten nicht nur Menschen, die sich zu Lebzeiten von ihrer Kirche abgewandt haben, sagt der Elmshagener. Auch konfessionell Entwurzelte nähmen seine Dienste in Anspruch. Dazu gehörten im Raum Baunatal Menschen mit ausländischem Hintergrund, die dort zwar Arbeit, aber keine neue religiöse Heimat gefunden hätten.

Scholze hat auch für die religiös geprägten Verstorbenen tröstende Worte: Er ist Katholik.

Von Peter Dilling

Info und Kontakt: Rolf F. W. Scholze, Tel. 0177/6111920 oder 05601/968523.

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