Bank steht an der Falkensteinstraße am Ortseingang

Mitfahrbank in Schauenburg macht mobil

+
Hier wird keiner sitzen gelassen: Im Dorf nehmen die Fahrer gern die Wartenden mit. Auch Jenny Huschke ist glücklich darüber, dass es die Bank gibt, falls ihr Auto mal in die Werkstatt muss. 

Schauenburg.  Die Mitfahrbank an der Falkensteinstraße im Schauenburger Ortsteil Elmshagen erleichtert Menschen ohne Auto die Wege in umliegende Orte.

Wenn das Auto streikt und der nächste Bus noch auf sich warten lässt, ist man mancherorts aufgeschmissen. Man kommt schwer weg. Nicht so in Schauenburg-Elmshagen. Hier gibt es eine Mitfahrbank direkt am Ortseingang, an der Falkensteinstraße: türkis gestrichen, mit Metallstreben und einem praktischen Schild, mit dem jeder Suchende sein Fahrtziel angeben kann.

Drei Optionen stehen da zur Verfügung: die Orte Sand (in rund sieben Kilometern Entfernung), Niedenstein (rund fünf Kilometer) und Breitenbach (circa vier Kilometer). Dann heißt es: Sitzen, warten und kurz darauf mitfahren. Verkehr gibt es hier ob der verkehrlichen Sackgasse, die der Ort bildet, genügend.

Gelegenheit für Gespräche

„Als mein Auto spontan in die Werkstatt musste und ich etwas zu besorgen hatte, habe ich die Bank selbst auch schon genutzt“, sagt Jörg Dreismann, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Elmshagen. „Meine Nachbarin hat mich dann mitgenommen. Ich wusste gar nicht, dass sie fährt“ so Dreismann. Das sei eine tolle Gelegenheit, um ins Gespräch zukommen.

Sie setzen sich für Mobilität in Elmshagen ein: Erich Bachmann (stellvertretender Ortsvorsteher, SPD, links), Alexandra Werner (Ortsvorsteherin, SPD), Jörg Dreismann (Vorsitzender des SPD-Ortsvereins).

Weil die Busverbindung über die Jahre ausgedünnt wurde, vor allem wochenends, hatte die SPD-Ortsgruppe die Bank mithilfe von Spenden im Juli 2017 aufgestellt. Besonders durch das ehemalige Flüchtlingsheim in Elmshagen gab es damals viele Menschen ohne Auto. „Die haben wir dann oft mit zum Einkauf genommen“, sagt Dreismann. Aber auch jetzt findet die Mitfahrbank noch Anklang.

Wunsch vom Spinnennetz

Wichtig für die Fahrer: „Es besteht keine Pflicht, anzuhalten“, betont Ortsvorsteherin Alexandra Werner (SPD). Die meisten Elmshager Bürger seien allerdings sehr offen für das Modell Mitfahrbank.

„Anfangs gab es bei manchen natürlich Ängste in die Richtung: Soll ich jetzt wirklich anhalten?“, sagt Dreismann. Aber die hätten die Bürger schnell verloren.

Für die Zukunft hat der SPD-Ortsverein auch schon Ideen, wie es mit dem Projekt weitergehen könnte: „Wir wünschen uns Mitfahrbänke an verschiedenen Orten in der Gegend“, sagt der stellvertretende Ortsvorsteher Erich Bachmann (SPD). „So wie ein Spinnennetz“, ergänzt Dreismann. Das gebe es in dieser Form bereits in vielen Orten in Norddeutschland.

Die neuen Mitfahrbänke dürften natürlich nicht zur ÖPNV-Konkurrenz werden, sollten aber dennoch an gut befahrenen Straßen liegen. „So weit sind wir aber noch nicht“, sagen die drei aus Elmshagen.

 

Hintergrund: Mitfahrbank macht mobil

Mitfahrbänke sind eine moderne Version des Trampens, oder des Fahrens per Anhalter . Die Idee, solche Stationen in ländlichen Gebieten aufzubauen, ist angesichts zweier Gesichtspunkte besonders sinnvoll: Einerseits gibt es mancherorts unzureichende Busverbindungen – andererseits spielt der demografische Wandel, die alternde Gesellschaft, eine entscheidende Rolle. Dem drohenden Verlust der Mobilität wirken die Bänke entgegen. Zusätzlich hilft das Angebot, die Dorfgemeinschaft zu stärken, weil Fahrer und Mitfahrer ins Gespräch kommen. Nicht zu vergessen ist der Beitrag zum Klimaschutz. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.