Bis zum Sonntag gastiert Tkacz-Majin in Elgershausen

Puppenspieler in der Krise: Kinder wollen kein Kasperle mehr

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Präsentiert in Elgershausen auf dem Festplatz am Hirzstein noch bis Sonntag, 22. Juli, sein Bühnenprogramm: Marcel Tkacz-Majin aus Baunatal.

Schauenburg. Seit Generationen bringt die Familie von Puppenspieler Marcel Tkacz-Majin Kinderaugen zum Leuchten. Doch immer mehr Vorstellungen des Baunatalers bleiben leer. Ist das Puppentheater tot?

In der sechsten Generation leitet Marcel Tkacz-Majin aus Baunatal das Puppenspiel „Schnick Schnack“. Das Spielen der Holzfiguren wurde ihm in die Wiege gelegt. Schon als Kind hauchte er ihnen mit seinen Händen Leben ein. Doch die Zeiten sind für den 25-Jährigen und sein künstlerisches Unternehmen härter als je zuvor. 

„Es ist kaum noch tragbar“, sagt Tkacz-Majin. Wegen fehlender Besucher muss er immer häufiger Veranstaltungen ausfallen lassen. „Wenn weniger als zehn Gäste kommen, lohnt sich das für uns einfach nicht.“ Mit 20 Euro oder weniger am Abend ließen sich nur schwer Stellkosten und Rechnungen bezahlen und eine Familie ernähren.

Seit Freitag, 13. Juli, haben er und seine Frau Janina mit Tochter Mercedes (1) ihre Zelte in Elgershausen auf dem Gelände des Schützenvereins aufgeschlagen und präsentieren dort das klassische Hohensteiner Kasperletheater. Wegen leerer Plätze musste die Puppenspiel-Familie bisher allerdings vier von fünf Vorführungen ausfallen lassen. 

„Es tut mir weh, wenn ich Kinder mit funkelnden Augen nach Hause schicken muss.“ Doch Auftritte vor drei oder vier Gästen bringen der jungen Familie kaum Geld ein. Sie hätten von klein auf gelernt, mit wenig zu leben – doch in diesem Jahr habe sich die Lage verschlechtert. „Das ist der Wandel der Zeit“, sagt der 25-Jährige. Tablets, Smartphones und Laptops seien für Kinder heute oft attraktiver als ein klassisches Puppenspiel. „Es verliert an Besonderheit“. 

Sein Großvater habe noch von vollen Zelten berichtet. Heute ist Tkacz-Majin glücklich, wenn die ersten beiden Reihen besetzt sind. Seit Jahren reist die Familie durch Deutschland, Österreich und die Schweiz, Ausfälle in diesem Maße habe es nie gegeben, erst seit diesem Jahr blieben die Reihen oft leer.

Das Puppenspiel aufzugeben, kommt für den Baunataler dennoch nicht infrage. „Das Spielen ist kein Beruf, es ist unser Leben. Wir können ja nichts anderes“, sagt er. Der Puppenspiel-Nachwuchs steht mit Tochter Mercedes bereits in den Startlöchern. Doch der 25-Jährige würde seiner Tochter bei anderen Berufswünschen keine Steine in den Weg legen. Denn er erlebt gerade am eigenen Leib, wie hart das Geschäft heutzutage ist.

Die nächsten Vorführungen in Elgershausen: Bis Sonntag, 22. Juli, täglich jeweils um 17 Uhr und sonntags um 12 und 16 Uhr. Eintritt: 8 Euro.

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