Spende musste wieder abgeholt werden

Schauenburg: Weihnachtsbäume werden vor der Wahl zum Politikum

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Wahlkampfrauschen im Nadelwald: Jetzt wurden drei Weihnachtsbaumspenden zum Politikum in Schauenburg. In der Gemeinde finden im Januar 2017 Bürgermeisterwahlen statt. Unser Symbolbild zeigt eine Christbaum-Anpflanzung in Baden-Württemberg.

Schauenburg. SPD-Bürgermeisterkandidat Michael Plätzer hat es gut gemeint. Vor einigen Tagen kaufte er drei Weihnachtsbäume für Kitas in Schauenburg – gedacht als Spende, weil die Gemeinde schon seit 2013 wegen klammer Kassen keine Weihnachtsbäume mehr für Kitas und Dorfgemeinschaftshäuser gekauft hat.

Plätzer hat das zum ersten Mal gemacht, damit wollte er die Gemeinde unterstützen, wie er sagt. Im Januar 2017 sind in Schauenburg Bürgermeisterwahlen. 

Die Gemeinde Schauenburg aber – und damit auch die amtierende Bürgermeisterin Ursula Gimmler (CDU) – wollte vom Engagement Plätzers offenbar nichts wissen. „Ich glaube, das lag an meiner Person. Hätte jemand anders die Bäume gespendet, wäre das Ganze kein Thema gewesen.“ So sieht es Plätzer.

Michael Plätzer

Was war passiert? Plätzer hatte zuvor bei allen fünf Kitas Schauenburgs angefragt, ob eine Weihnachtsbaumspende erwünscht sei. Von den Kitas Hirzsteinzwerge und Kleiner Bär in Elgershausen bekam er grünes Licht, alle anderen wussten noch nicht so genau. „Eine Kita-Leiterin erklärte sogar explizit, dass sich die Kitas selbst um Weihnachtsbäume kümmern müssten“, sagt Plätzer.

Ursula Gimmler

Gesagt, getan. Plätzer lieferte zunächst zwei seiner drei Bäume aus. Doch kaum waren die Tannen aufgestellt, ging eine Mail der Gemeindeverwaltung an Plätzer raus. Er möge doch bitte seine gespendeten Bäume wieder abholen. „Die Aushändigung der gespendeten Bäume verwaltet die Gemeinde“, steht in der Mail. „Da Sie sich leider nicht vorher mit uns in Verbindung gesetzt haben, haben wir bereits gespendete Weihnachtsbäume in den Kitas.“ Für Plätzer ist das ein Unding. Seit Jahren sei bekannt, dass sich die Kitas selbst um ihre Bäume kümmern müssten. Nur, weil jetzt Wahlkampf sei, würde man die Baumspende des SPD-Bürgermeisterkandidaten ablehnen. Plätzer: „Man hätte die Bäume ja dennoch annehmen und noch anderweitig einsetzen können. Stattdessen hat man mich abblitzen lassen.“

Gimmler dagegen sieht in ihrem Tun kein Problem. „Ich hätte das mit jedem so gemacht“, sagt Gimmler. Seit dem Spendenaufruf vor drei Jahren kümmere sich allein die Gemeinde – und nicht die Kitas selbst – um die Annahme und Verteilung gespendeter Bäume. „Und das wissen auch die Kita-Leiterinnen“, ist sich Gimmler sicher.

„Es sind genug Bäume da“

Letztlich habe man Plätzer dazu auffordern müssen, die Bäume wieder abzutransportieren, weil andere Spender schon ganz konkret für diese beiden Kitas Bäume angemeldet hätten. „Hätte ich Plätzer nicht abgesagt, hätte ich diesen Spendern absagen müssen. Die aber haben alles richtig gemacht.“ Im Übrigen stünden inzwischen genug Bäume zur Verfügung.

Auch das ist für Plätzer nicht nachvollziehbar. Soll seine Spende jetzt einfach umsonst gewesen sein? So hat er nun selbst Initiative ergriffen. Einen Baum bekommt jetzt das Gemeindehaus in Hoof für den dortigen Weihnachtsmarkt, den anderen der Turnverein Hoof. „Einen hab‘ ich jetzt noch übrig“, sagt Plätzer.

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