Wasserspeicher als idyllischer See

Sicherheitstest für Hoofer Hochwasserbecken: Der Deich ist dicht

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Seltenes Vergnügen an der Katzenmühle: Sandra Schmidt (links) und Frauke Wagner gönnten ihren Tieren eine Abkühlung im aufgestauten Wasser.

Schauenburg. Der See oberhalb der Katzenmühle bei Hoof glänzt in der Sonne, Bäume ragen wie stachelige Inseln heraus, Enten ziehen träge Bahnen. Das diese Idylle ist bald vorbei.

Sandra Schmidt und Frauke Wagner gönnen ihren Pferden und den Hunden nach dem Ausritt eine Abkühlung im See. Das Wasser reicht den Pferden bis zum Bauch. Auch ein Modellbootfreund hat hier seinen Eigenbau schon über die Wasserfläche geschippert.

Stauung für Sicherheitscheck

Alles im Blick: Im Kontrollraum des Regenrückhaltebeckens kann man per Knopfdruck alle Daten abrufen und den Zustand der beiden Ablaufschächte überwachen.

Das Vergnügen des Seeblicks bleibt den Schauenburgern und anderen Erholungssuchenden unterhalb des Firnsbachtals nur noch wenige Tage: Denn das Wasser der Bauna wurde vom Verband für Abwasserbeseitigung und Hochwasserschutz nur für einen Sicherheitscheck im Regenrückhaltebecken Katzenmühle aufgestaut. Es ist der erste nach der Errichtung der Anlage vor elf Jahren. Horst Brixel, technischer Leiter des Abwasserverbands, ist mit dem Ergebnis der Messungen zufrieden. „Der Damm ist dicht“, sagt er. Das weiter unterhalb gelegene Rückhaltebecken Schefferfeld habe diesen Test schon vor einiger Zeit auch bestanden, berichtet Brixel. Routinekontrollen gibt es zwischendurch immer wieder. Wühlmäuse müssten bekämpft werden, sagt er.

Mit seinem Kollegen Johann Steiner hat er während des Aufstaus die Pegel im Regenrückhaltebecken und des Grundwassers in der Sohle des Damms verglichen. Steigt der Grundwasserspiegel stark an, während sich das Becken füllt, ist das ein Zeichen, dass der Damm undicht sein könnte. Doch das war nicht der Fall. Auch die Dränage unterhalb des Damms funktioniere ordnungsgemäß, berichtete Brixel. Für den Test hat er das Wasser der Bauna bis zu einem Pegel von 5,40 Meter aufgestaut. Das entspricht einer Wassermenge von 54.000 Kubikmetern. Der Speicher kann maximal 74.000 Kubikmeter aufnehmen. Dann steht der Pegel bei 7,20 Metern.

System funktioniert einwandfrei

Auch die Steuerung der Staueinrichtung funktionierte einwandfrei. Wenn Wasser gestaut werden soll, fahren in zwei Durchlässen des Damms zwei Schutztafeln herunter, die so die talwärts fließenden Wassermassen reduzieren. Die Anlage sei so ausgelegt, dass in der Bauna in Elgershausen maximal 15 Kubikmeter Wasser pro Sekunde fließen, erklärt Brixel. Dabei wird automatisch der unterhalb des Beckens liegende Zufluss des Firnsbachs und des Firnsbachgrabens mithilfe von Drucksensoren und komplizierten Algorithmen mit eingerechnet. Im Steuerungshäuschen neben dem Regenrückhaltebeckens kann Brixel sämtliche Daten einsehen und auf Computergrafiken überwachen.

Das Wasser im Speicher wird nun allmählich mit 8,5 Kubikmeter pro Sekunde abgelassen, damit niemand an der Bauna von einer Flutwelle überrascht werden kann. 

Weiterer Speicher: Hunsrückstraße

Die Gemeinde Schauenburg und die Stadt Baunatal sind seit Jahren gemeinsam intensiv dabei, den Hochwasserschutz entlang der Bauna zwischen Hoof und Guntershausen zu verbessern. Neben dem Rückhaltebecken an der Katzenmühle gehören dazu der Polder Schefferfeld und das noch in Bau befindliche Regenrückhaltebecken an der Hunsrückstraße bei Kirchbauna, das für 5,3 Millionen Euro gebaut wird und im Sommer in Betrieb gehen soll. Außerdem wurden entlang der Bauna unter anderem Uferbereiche verändert, Brücken erhöht und Räume geschaffen, wohin sich die Fluten bei einem Starkregen ausdehnen können. Mit den Maßnahmen will sich Baunatal für ein 100-jähriges Hochwasser rüsten. Ein solches überschwemmte 1992 das Bauna-Tal.

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