Info-Abend

Tannenhof als Flüchtlingsunterkunft: Anwohner machten ihrem Ärger Luft

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Wurde vom Kreis als neue Unterkunft angemietet: Im Tannenhof in Elmshagen könnten bereits ab übernächster Woche Flüchtlinge einziehen.

Schauenburg. 25 Flüchtlinge sollen - voraussichtlich frühestens ab Mitte Mai - im ehemaligen Hotel „Tannenhof" in Elmshagen untergebracht werden.

Später könnten es insgesamt 50 werden. Das Vorhaben des Landkreises, der die Immobilie angemietet hat, droht das 350-Seelen-Dorf der Gemeinde Schauenburg zu spalten.

Diesen Eindruck kann man zumindest aus dem Verlauf des Info-Abends gewinnen, den der Kreis am Donnerstagabend im Dorfgemeinschaftshaus von Elmshagen veranstaltete.

In der Diskussion der rund 80 erschienenen Bürger traf Hilfsbereitschaft auf Protest und Skepsis. Anwohner der künftigen Flüchtlingsunterkunft machten ihrem Ärger Luft.

Bevor darüber diskutiert wurde, wie man den Flüchtlingen helfen könnte, sich einzuleben, meldeten sich die Skeptiker zu Wort. „Ich finde es unmöglich, so ein Getto zu schaffen. Hier gibt es nichts in Elmshagen. Die Leute können nicht einkaufen, sie können nur in den Wald gehen. Was sollen die armen Teufel hier machen?“, sagte Jürgen Bode. Das sei „menschenunwürdig“. Die Flüchtlinge sollten lieber in Privatwohnungen untergebracht werden, schlug er vor.

Doris Pfeiffer, nach eigenen Worten Eigentümerin des dem Tannenhof gegenüberliegenden Hauses, wo die Gaststätte Franken-Stube beheimatet ist, sagte gegenüber der HNA, ihr Gaststättenpächter habe mit Kündigung gedroht, wenn die Flüchtlinge kommen. Sie rechne mit einem Geschäftseinbruch, dabei habe sie erst viel Geld in die Sanierung der Gaststätte gesteckt.

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Jens Büchling kritisierte, im Verhältnis zur Einwohnerzahl kämen zu viele Flüchtlinge nach Elmshagen. Er fürchte, dass seine Mieter wegzögen und er Probleme haben werde, neue zu gewinnen. Ängste und Konflikte seien programmiert, sagte eine andere Bürgerin.

Die Kritik trieb Antonio Bassetto vom Stuhl hoch. „Wir wollen doch helfen. Wo ist das Problem?“, fragte er.

„Das sind Mitmenschen“, sagte Brigitte Wettengel, Vorsitzende des DRK-Ortsvereins. Alle Schauenburger müssten helfen, den Flüchtlingen die Eingewöhnung in Elmshagen zu erleichtern und Kontakte herzustellen. Wettengel meinte aber auch, die Abgeschiedenheit von Elmshagen könne zum Problem werden. Nur der Schulbus fährt das Dorf an.

Das Transportproblem zu den Orten mit Einkaufsmöglichkeiten müsse gelöst werden. Bürgermeisterin Ursula Gimmler (CDU) stellte in Aussicht, den Gemeindebus dafür bereitzustellen. Allerdings müssten ehrenamtliche Fahrer gefunden werden.

Der Kreismitarbeiter Jens Schultheis, der in Oberweser momentan Flüchtlinge betreut, wird sich um die Neuankömmlinge kümmern und zwischen Oberweser und Elmshagen hin und her pendeln. Mit der Hilfe von Unterstützerkreisen habe man bisher fast alle Probleme lösen können, versicherte er.

Helfer, die die Flüchtlinge in ihrem Alltag unterstützen oder Sprachunterricht geben wollen, sollen sich bei der Gemeinde melden. Eine paar trugen sich schon beim Info-Abend in Listen ein.

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