Er erlebte Zerstörung der Edertalsperre

Dem Tod knapp entgangen: Schauenburger schrieb Buch über Kriegserfahrungen

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Mit 16 Jahren eingezogen: Günther Siebert (vorne) bei der Arbeit als Luftwaffenhelfer.

Schauenburg. Erst war er am Flakgeschütz eingesetzt, dann an der Ostfront: Der 92-jährige Günther Siebert aus Schauenburg hat viel erlebt im Zweiten Weltkrieg. Daraus wurde ein Buch. 

Seine Erfahrungen schrieb er im Winter 1946/47, im Alter von 20 Jahren, nieder. Ein Buch hätte er sich aber niemals ausgemalt. 

Bei der Abschrift seiner Erinnerungen durchlebte Siebert die damalige Zeit noch einmal. Das war teilweise sehr emotional für ihn: „Ich musste zweimal weinen.“

Siebert (Jahrgang 1926) wurde in Mannheim geboren und wuchs in Köln sowie in Melsungen – der Heimat seiner Eltern und Vorfahren – auf. Im Februar 1943 wurden der damals 16-Jährige und seine Klassenkameraden als Luftwaffenhelfer eingezogen. Seinen ersten Einsatz hatte er in der Nacht vom 16. auf den 17. Mai. Während der sogenannten „Operation Chastise“ zerstörten britische Bomber die Edertalsperre. In der darauffolgenden Flutwelle starben tausende Menschen. Siebert und seine Kameraden versuchten, dies zu verhindern. Sie hatten jedoch keine Chance, die Flugzeuge abzuschießen. Denn die Alliierten warfen zuerst Folien ab, die das Radar störten.

Im Frühjahr 1944 wurde Siebert an die Ostfront abkommandiert. Dort überlebte er das Chaos des Truppenrückzugs nur äußerst knapp. Nach einem abenteuerlichen Heimweg wurde er von einem Nachbarn verraten und geriet in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Ein halbes Jahr verbrachte er im berüchtigten Camp 404 in Marseille. „Jeder bekam pro Woche nur einen Stahlhelm mit Wasser, um sich zu waschen“, schildert der 92-Jährige. Aus Frankreich kehrte Siebert im Herbst 1945 heim – nur 50 Kilogramm wiegend.

Doch es ging bergauf: Abitur, Ausbildung zum Autoschlosser, Jura- und Volkswirtschaftsstudium. Seine Fußball-Leidenschaft konnte Siebert sehr erfolgreich ausleben. Er erhielt sogar einen Profi-Vertrag beim VfB Stuttgart. Es folgte eine berufliche Laufbahn als Verkehrsjurist. Mit 42 Jahren hängte er die Fußballschuhe an den Nagel und wechselte zum Tennis.

Auch ehrenamtlich engagierte sich Siebert. So war er jahrelang Präsident des TSV Georgii Allianz Stuttgart und später Vorsitzender des Tennis Clubs Stuttgart. Mit 85 Jahren wurde er Vize-Europameister im Tennis. Anfang 2017 zog Siebert von Forchheim bei Stuttgart nach Schauenburg. Hier lebt er nah bei seinen Kindern im Alten- und Pflegeheim Haus Elgershausen. Seine 74-jährige Frau lebt weiterhin in Forchheim. „Wir telefonieren jeden Abend“, sagt Siebert.

Angesichts der derzeitigen weltweiten Situation – in vielen Ländern herrscht Krieg – fragt sich der 92-Jährige mit Blick auf die Vergangenheit: „Hat der Mensch keine Lehre daraus gezogen?“ Er versteht sein Buch als Mahnung: „Die Menschen sollen sehen, was durch Krieg alles passiert.“

Information: Günther Siebert: „Krieg. Ein Weg der Wahrheit“, 100 Seiten, 6,90 Euro. Erhältlich ist die Publikation als Taschenbuch oder E-Book online bei Amazon und Thalia oder über den lokalen Buchhändler.

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