Kücken im Adventskranz

Zaunkönig-Junge wachsen an Haustür in Elgershausen auf

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Der Hunger ist groß: Sechs Küken sitzen zufrieden im Adventskranz-Nest. Bei Gerda und Herbert Erben aus Elgershausen wohnen schon zum zweiten Mal Zaunkönige im Türschmuck.

Schauenburg. Bei Familie Erben aus Elgershausen hat ein Zaunkönig-Pärchen im Adventskranz, der an der Haustür hängt, ein Nest gebaut.

Manchmal entscheidet wohl die Natur selbst über die saisonale Dekoration am Haus: Bereits zum zweiten Mal gucken sechs Zaunkönig-Küken vorwitzig aus dem Türschmuck, den Gerda Erben eigentlich schon längst hatte abhängen wollen. Für dieses kleine Naturwunder behält sie den verwelkten Weihnachtskranz jedoch gern noch ein bisschen länger am Hauseingang.

Klein und flink: Dieser Zaunkönig wurde nahe Oldenburg entdeckt. Foto: Bettina Pflaum/nh

„Vor zwei Jahren hatten wir schon einmal das Glück, dass zwei Zaunkönige im Kranz genistet haben. Als wir in diesem März wieder den Nestbau beobachten konnten, haben wir uns natürlich riesig gefreut“, sagt Herbert Erben, der mittlerweile schon zum Zaunkönig-Experten geworden ist. Unzählige Vogel-Ratgeber liegen auf dem Wohnzimmer tisch. Seitdem das Ehepaar am 24. April sechs Eier in der kugelförmigen und mit Flaum ausgestatteten Nisthöhle gefunden haben, vergeht kein Tag, an dem sie nicht ganz genau aufpassen, wie sich in ihrem Türkranz neues Leben entwickelt. „Wir gehen jetzt immer durch die Hintertür ins Haus, um die Kleinen nicht zu stören“, sagt Gerda Erben. Zweimal am Tag komme die Zaunkönig-Mutter vorbei, um ihre Küken zu füttern. Darauf warten die flauschigen Piepmätze wohl auch sehnsüchtig – die Schnäbel sind laut Herbert Erben stets weit aufgesperrt: „Manchmal haben wir schon Angst, dass eins rausplumpst. Zum Teil lehnen sich die Küken richtig über den Nestrand.“

Stolze Vogel-Paten führen Buch: Das Ehepaar hat am 17. Mai das erste Küken entdeckt.

Dass sich Zaunkönige einen Adventskranz zum Nisten aussuchen, ist laut Markus Dietrich vom Nabu-Kreisverband zwar etwas Besonderes, aber kein Einzelfall. „So ein Kranz hat genau die richtige Höhe, die Zaunkönige zum Nisten bevorzugen“, sagt er. Das Männchen fange im Frühjahr mit dem Nestbau an, um dem Weibchen zu imponieren. Wenn die Küken geschlüpft sind, kümmere sich nur noch das Weibchen um die Fütterung. „Das ist wie im richtigen Leben, der Papa ist schon über alle Berge“, sagt Herbert Erben und lacht. Im Elgershäuser Türkranz ist das erste Küken am 17. Mai aus dem Ei geschlüpft. Das weiß das Ehepaar noch ganz genau – die zwei Vogel-Liebhaber führen in einem kleinen Taschenkalender genau Buch über die Aktivitäten im Nest. Auch im nächsten Jahr wird Gerda Erben ihren Adventskranz vorsorglich noch bis zum Frühling hängen lassen – vielleicht wählt die nächste gefiederte Königsgeneration ja auch wieder das Weihnachtsgesteck als ihren kleinen Palast aus.

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