Schauenburger Experte befürchtet Lichtblitze vom Saukopf

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Morgenstimmung: Da wo die Sonne derzeit am Saukopf aufgeht, könnten sich bald Windräder drehen.

Schauenburg. Die Gemeinde Schauenburg prüft derzeit, ob sich ein Gebiet auf dem Langenberg für Windkraftanlagen eignet. Von Expertenseite gibt es erste Bedenken, dass die Standorte der Windräder auf dem Saukopf falsch geplant werden könnten.

Dr. Christian Bendel, der auch als Gutachter im Bereich regenerativer Energien tätig ist, befürchtet aufblitzende Lichteffekte (Stroboskopeffekt) durch bis zu 140 Meter hohe Rotorblätter. „Wenn die Sonne aufgeht, gehen die Flügel voll dadurch“, sagt Bendel, der selbst in Schauenburg-Martinhagen lebt. Der frühere Abteilungsleiter im Kasseler Forschungsinstitut Iset rechnet damit, dass die Sonne im Herbst und Winter so flach über dem Langenberg aufsteigt, dass die Rotorblätter aus Blickrichtung Breitenbach und Martinhagen vor der Sonne herlaufen. Das führe zu dem so genannten Stroboskopeffekt.

Kurzclip

Bendel geht davon aus, dass die Windräder so hoch aus dem Wald herausragen, dass dieser negative Effekt anderthalb Stunden und mehr in den beiden Orten wirken werde. „Menschen werden dadurch aggressiv oder sogar krank“, sagt der 68-Jährige weiter. „Das ist ernst zu nehmen.“

Der Ingenieur stellt im Gespräch schnell klar, dass er überhaupt nichts gegen diese Art der Energiegewinnung habe. Im Gegenteil. „Ich bin für Windenergie“, betont er. „Ich bin aber dafür, dass richtig geplant wird.“

Das Schauenburger Gemeindeparlament hatte kürzlich den ersten Schritt für einen möglichen Windpark auf dem Langenberg getan. Mit großer Mehrheit verabschiedeten die Gemeindevertreter das Aufstellen eines Bebauungsplanes, anhand dessen der Einsatz von Windkraft geprüft werden soll.

Ein Investor ist nach Angaben von Bürgermeisterin Ursula Gimmler (CDU) bereits in Sicht. Sie gehe davon aus, sagte sie in der Parlamentssitzung, dass auf dem Langenberg bis zu drei Windräder aufgestellt werden könnten. Entschieden sei aber noch nichts.

Frühzeitig will Christian Bendel deshalb auf die notwendigen Planungsschritte hinweisen. Aus dem Bereich seiner bundesweiten Tätigkeit als Gutachter für Fotovoltaikanlagen wisse er, in 80 Prozent der Gerichtsverfahren um diese Anlagen gehe es um fehlerhafte Planung.

Um Probleme mit den möglichen Anlagen auf dem Saukopf zu vermeiden, schlägt Bendel beispielsweise vor, die Rotoren ein Stück in südlicher Richtung anzusiedeln.

Dann spiele der Stroboskopeffekt für die Schauenburger Ortsteile keine Rolle. „Das müsste man natürlich genau ausrechnen.“

Von Sven Kühling

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