Besuch in Gedenkstätte Breitenau: Ahnatalschüler beschäftigten sich mit Zivilcourage im Dritten Reich

Schicksale gingen unter die Haut

Beeindruckt: Gemeinsam mit Klassenlehrerin Melanie Laudon (hinten links) besuchte die Klasse 10d der Ahnatalschule Vellmar die Gedenkstätte Breitenau, wo ihnen von Menschen berichtet wurde, die in der Zeit des Nationalsozialismus Zivilcourage bewiesen und dafür eingesperrt wurden. Fotos: Brandau

Vellmar. Zivilcourage in der Zeit des Nationalismus. Ein spannendes, aber nicht ganz leichtes Thema, mit dem sich die zehnten Klassen der Ahnatalschule in Vellmar in einer Projektwoche beschäftigten. Es war der Abschluss der im Unterricht bereits behandelten Epoche von 1933 bis 1945.

Dazu besuchten die Schüler eine Lesung des Autoren Dirk Reinhardt, der das Buch „Die Edelweißpiraten“ verfasst hat. Die Jugendlichen befragten Zeitzeugen in einem Vellmarer Altenheim und besuchten die Gedenkstätte Breitenau.

Geschichtsunterricht

„Die Zeit des Nationalsozialismus haben wir bereits im Geschichtsunterricht behandelt“, erklärt Denis Höfner. Diese Zeit hebe sich schon in besonderer Weise von anderen Epochen ab, meint der 15-Jährige. „Für mich war es sehr wichtig, mich mit dem Thema zu beschäftigen, damit ich es auch verstehe“, sagt der Schüler der Klasse 10f. Dann zitiert er seine Klassenlehrerin, die gesagt habe: „Wenn man etwas nicht genügend aufarbeite, könne sich das gleiche wiederholen“.

Besonders betroffen machte ihn der Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Breitenau, in dem auch Menschen aus Vellmar inhaftiert waren. Vor allem die Lebensbedingungen der Häftlinge, die authentisch dargestellt werden, gingen Denis unter die Haut. Das empfand auch Marius Boll so. Für den 15-Jährigen war es besonders bedrückend, zu sehen, wie menschenverachtend mit den Häftlingen umgegangen wurde, die ohne jegliches Gerichtsverfahren eingesperrt worden waren. Da könne man nur froh sein, diese Zeit nicht selbst erlebt zu haben. „Für uns ist es leicht, über Zivilcourage zu sprechen“, sagt der Schüler der Klasse 10d, der großes Mitleid mit den Menschen empfindet, die damals Zivilcourage zeigten und dafür eingesperrt wurden und vielleicht sogar woanders umkamen. Spannend war für Annika Behrend die Lesung von Dirk Reinhardt, der in seinem Buch „Die Edelweißpiraten“ von Jugendlichen berichtete, die in der Zeit des Nationalsozialismus Widerstand leisteten. „Es waren tausende junge Menschen, die sich mit dem Regime nicht arrangieren wollten und dadurch Schwierigkeiten bekamen.

Sie gingen in den Untergrund, verteilten Flugblätter und riefen zum Widerstand auf“, sagt die 16-Jährige. Man müsse sich mit dieser Zeit auseinandersetzen und Lehren daraus ziehen, damit so etwas nie wieder geschehen könne, lautet ihr Fazit.

„Am meisten hat mich schockiert, dass in dieser Zeit neben den 55 Millionen Kriegstoten auch mehr als sechs Millionen Menschen zu Tode kamen.“

Von Werner Brandau

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