Schienen kamen in der Nacht

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Schienenfracht aus Österreich: Der Güterzug rollte leise durch Helsa, Bahnarbeiter luden die 120 Meter langen Schienenstränge ab. Schaulustige waren bei dieser Aktion nach Mitternacht nicht zu sehen.

Helsa. Rund zwei Kilometer Stahlschienen auf das Gleisbett der Regiotramstrecke abladen, insgesamt mehr als 115 Tonnen schwer, das klingt spektakulär und nach viel Lärm. Weit gefehlt: Die Aktion in der Nacht zu Dienstag in Helsa ging schnell und weitgehend geräuschlos vonstatten.

Der Zug, der die Schienen aus Österreich brachte, lud seine schwere Fracht um Mitternacht in Helsa schnell und fast lautlos ab. Schaulustige waren nicht zu sehen. Aus dem Schlaf geweckt wurde wohl keiner, obwohl die Häuser ganz dicht am Schienenstrang stehen.

Ab Freitag lauter

Ab Freitagabend könnte es an der Lossetalstrecke jedoch deutlich lauter werden. Dann wird ein Spezialbagger die Schienen über das Wochenende montieren, Arbeiter werden sie verschweißen. Am Montagmorgen sollen die Trams dann wieder fahren.

Seit neun Uhr abends war die Strecke der Lossetalbahn für Trams gesperrt. Zeit genug für die Diesellok, ihre schwere Fracht auf sechs Waggons vom Rangierbahnhof am Kasseler Hauptbahnhof über Bettenhausen nach Kaufungen und Helsa zu transportieren.

Die neuen Schienen wurden von der österreichischen Firma Voestalpine hergestellt. Die Arbeiter auf dem Zug rufen sich mit unverkennbar österreichischem Zungenschlag Kommandos zu. Der Güterzug rumpelt leise über den Bahnübergang in Helsa.

Hinten angehängt ist eine nachlaufende Plattform. Von dort rutschen die 120 Meter langen Schienen wie Spaghetti aus der Verpackung zwischen den Schienen ins Gleisbett, während der Zug sich langsam voranbewegt.

Sobald eine Schiene fast ganz vom Zug gerutscht ist, befestigen die Arbeiter den nächsten 120 Meter langen Gleisstrang mit einer Lasche an diesem Teil. Durch das Eigengewicht der bereits größtenteils im Gleisbett liegenden Schiene rutscht auch dieser Strang mit einem hohen singenden Geräusch vom Waggon, wenn der Zug wieder anfährt. Alles geht routiniert und schnell.

Wie kommt man mit einer 120 Meter langen Stahlschiene eigentlich um die Kurve? Kein Problem, sagt Sven Nagel von der Hessischen Landesbahn (HLB), der die Arbeiten im Auftrag der KVG überwacht. Die Schienen seien eben doch nicht wie ungekochte Spaghetti, sondern auf dieser Länge recht biegsam. Diese Flexibilität reiche aus, um alle Kurven (im Eisenbahnerjargon: Bögen) auf der Gleisstrecke zu meistern.

„Wenn die neuen Gleise montiert sind, wird es für die Anwohner leiser werden, wenn die Tram vorbeifährt“, sagt Nagel. Denn die Gleise, die ausgetauscht werden sollen, sind über die Jahre verschlissen. Das sorgt für ein stärkeres Fahrgeräusch der Tram, für Quietschen und Rumpeln.

Dieses Wochenende werden auch Teile des Stellwerks Oberkaufungen erneuert. Am 1. und 2. August gehen die Gleisarbeiten an der Losstetalbahn in die zweite Runde: Dann werden 360 Meter Schienenstrang zwischen Helsa und Oberkaufungen ausgetauscht und der Schotter im Bahnhof Eschenstruth erneuert.

Von Peter Dilling

Service

Am Wochenende Ersatzbusse auf der Lossestrecke

Während der Gleisbau- und Stellwerksarbeiten an der Lossetalbahn-Strecke wird zwischen Kaufungen-Papierfabrik und Hessisch Lichtenau von Samstagmorgen, 20. Juni, ab Betriebsbeginn bis zum Betriebsende am Sonntagabend, 21. Juni, ein Busersatzverkehr eingerichtet. 

Die Linie 4 endet dann in Kaufungen-Papierfabrik. Fahrten, die fahrplanmäßig am Bahnhof Oberkaufungen enden, werden von den Bussen nur bis Haltestelle Gesamtschule Oberkaufungen bedient. Die Haltestellen „DRK-Klinik“ und „Waldhof“ werden von den Bussen nicht angefahren. 

Fahrgäste können - mindestens 15 Minuten vor der gewünschten Fahrtzeit - unter den Telefonnummern 05605/1606 (DRK-Klinik) und 05602/6968 (Waldhof) ein zuschlagfreies Ruf-Taxi bestellen.

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