Keine Historiendarsteller für Wilhelmsthal: Schlachtfeld wird nur besichtigt

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Geschichte nachgestellt: Wie Soldaten vor 250 Jahren lebten, vermitteln Historiendarsteller der Gesellschaft für hessische Militär- und Zivilgeschichte.

Wilhelmsthal. 250 Jahre Kämpfe bei Wilhelmsthal in abgespeckter Form: Die Gedenkfeier zum Jahrestag der Schlacht bei Wilhelmsthal am 24. Juni 2012 wird wohl ohne Historiendarsteller stattfinden.

Lebendige Geschichte zum Anfassen und Erleben, das wird den Bürgern im Landkreis Kassel im kommenden Jahr wohl vorenthalten. „Das ist bedauerlich“, sagt der Vorsitzende der Gesellschaft für hessische Militär- und Zivilgeschichte, Martin H. Heller.

Denn anders als zunächst angekündigt, solle die Gedenkfeier zum 250. Jahrestag der Schlacht bei Wilhelmsthal am 24. Juni 2012 ohne Historiendarsteller stattfinden. Damit schlage der Landkreis Kassel „unser Angebot leichterhand aus“. Der Vorsitzende aus Sinn bei Herborn steht einem landesweit tätigen Geschichtsverein vor, „der auch darstellt“.

Schon 2009 habe der Vorstand der Gesellschaft der Gemeinde Calden und 2010 auch dem Landkreis Kassel eine Ideenskizze für eine Reihe von Veranstaltungen vorgelegt. Den Kontakt mit der Gesellschaft habe von offizieller Seite aber niemand mehr gesucht, betont Heller. Da man über ein Jahr Vorlauf brauche, sei die „Chance verspielt“.

Es hätte ein „rundes Programm“ werden können, das „nichts mit Mummenschanz und Säbelrasseln zu tun hat, sondern mit Geschichtsunterricht“, sagt der Vorsitzende. Zu diesem Programm hätte seine Gesellschaft rund 200 handverlesene Historiendarsteller aus ganz Europa organisieren können. Pro Darsteller müsse man mit einer Aufwandsentschädigung von 75 Euro rechnen.

Mit deren Auftreten hätten die Besucher 250 Jahre nach der Schlacht bei Wilhelmsthal „sehen und anfühlen können, wie die Menschen damals gekleidet waren, welche Ausrüstung die Soldaten hatten und wie marschiert, exerziert und gekämpft wurde“. Die Schlacht könne man zwar nicht nachstellen, aber zum Beispiel das Vorrücken von Truppenteilen. Dies seien Dinge, „die man selbst in einem Museum nicht erlebt“.

Gottesdienst und Konzert

Kern des Programms, das die Gesellschaft für hessische Militärgeschichte vorgeschlagen hatte, sei eine Gedenkveranstaltung mit Vertretern der damaligen Gegner aus Frankreich, England und Deutschland gewesen. Weitere Bestandteile waren die lebendige Geschichte im Schlosspark, Vorträge und kulinarische Angebote aus jener Zeit. Jetzt wolle sich die Kreisverwaltung auf eine Schlachtfeldbefahrung am 23. Juni, einen Gottesdienst und ein Open-Air-Konzert mit dem Heeresmusikkorps am 24. Juni beschränken.

Weitere Infos zur Gesellschaft für hessische Militär- und Zivilgeschichte gibt es im Internet unter www.hessen-militaer.de

Das sagen Landkreis und Gemeinde Calden

Der Vorschlag der Gesellschaft für hessische Militär- und Zivilgeschichte zum Festprogramm 250 Jahre Schlacht bei Wilhelmsthal ließ sich nicht umsetzen, sagt Harald Kühlborn, Sprecher des Landkreises Kassel. „Das war überdimensioniert bei den Kosten und dem personellen Aufwand.“

Allein für die Historiendarsteller sei ein „kleiner fünfstelliger Betrag“ fällig gewesen. Der Landkreis könne sich dies bei der angespannten Haushaltslage nicht leisten, und „wir haben niemanden, der uns das bezahlt“, betont Kühlborn.

Anfang Februar werde das konkrete Programm festgelegt. Fest stehe eine Schlachtfeldbefahrung am 23. Juni, ein Gottesdienst und der Auftritt des Heeresmusikkorps, das traditionell am letzten Sonntag im Juni in Wilhelmsthal sein Wohltätigkeitskonzert gebe. Da dieser Termin genau auf den Jahrestag der Schlacht falle, solle das musikalische Programm darauf ausgerichtet werden. „Wir sind auch mit Martin H. Heller von dem Geschichtsverein in Kontakt“, sagt Kühlborn. Und hofft, dass dieser mit einer kleineren Delegation anreise.

Ein Konzert der Caldener Chöre am 23. Juni, Führungen zum Schlachtfeld und die Unterstützung einer Künstleraktion des Landkreises, dies seien die Beiträge der Gemeinde zum Jubiläum der Schlacht bei Wilhelmsthal, sagt Bürgermeister Andreas Dinges. Und dann gebe es ja auch noch die Zinnfiguren-Ausstellung im Schloss. (mic)

Von Michael Schräer

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