Pension Brückenmühle

Alte Holzkarren als Gästezimmer: Schlafen auf dem Schäferlager

Idylle im Schäferwagen-Schlafpark: Ilse Auffahrt-Zink (von links, mit ihren Eseln Niki und Hugo) und ihre Gäste Ernst Knothe und Lousianne Mohr wissen das Ambiente zu schätzen.

Ahnatal. Die neuen Gästezimmer in der Pension Brückenmühle neben der Ahnataler Feuerwehr sind überschaubar, um nicht zu sagen eng. Auf knapp dreieinhalb Quadratmetern verbringt der Gast die Nacht.

Die nur 1,80 Meter lange, bequeme Matratzen füllt schon das halbe Zimmer aus. Da ist nur noch Raum für eine kleine Ablage und eine Leselampe. Das Sonnenlicht fällt durch winzige Luken in das Mini-Zimmer. Schäfer schlafen schon längst lieber im eigenen Bett, doch für Touristen könnte die Übernachtung in einem historischen Schäferwagen ein besonderes Erlebnis sei. Franziska Neitzke, die auf dem Hof Brückemühle ihr Pferd untergebracht hat, fühlt sich auf dieser Schlafstätte wohl. „Ich habe schon eine Probenacht hier verbracht“, erzählt die 25-Jährige.

Immerhin gibt es Strom in dem Wagen, einen Wecker braucht sie nicht. Das Wecken übernehmen Niki und Hugo mit ihren frühmorgendlichen Schreien: Die beiden Esel haben nur einen Steinwurf entfernt ihre Koppel.

Fünf alte Schäferwagen, der älteste wurde 1883 in Betrieb genommen, hat Brückenmühle-Inhaberin Ilse Auffahrt-Zink auf ihrem Hof zu Gästezimmern umfunktioniert. „Erst ist das ein Gag gewesen“, sagt die 53-Jährige gelernte Sozialpädagogin und Reittherapeutin. Doch nun hofft sie, dass naturverbundene Touristen neugierig auf den besonderen Charme dieser Übernachtungsmöglichkeit werden.

Auffahrt-Zink, die vor vier Jahren die Pferdepension mit 20 Gästezimmern übernommen und stark ausgebaut hat, nutzt ihr Hobby nun fürs Geschäft. In Hofgeismar habe sie vor 20 Jahren im Vorbeifahren einen alten, heruntergekommenen Schäferwagen gesehen und für kleines Geld gekauft, erzählt die Unternehmerin. „Der sah grauenhaft aus“.

Eng aber bequem: Franziska Neitzke hat schon eine Nacht im Schäferkarren auf Matratze und Schaffell verbracht.

Auffarth-Zink restaurierte ihn liebevoll. Schleifen, streichen, Dach erneuern und die Reifen der Wagen durch stilvolle Speichenräder ersetzen, lautete ihre Devise. Durch Mund-Propaganda entdeckte sie später weitere ausrangierte Schäferwagen. „Das ist eine Leidenschaft geworden, wie andere Briefmarken sammeln“, sagt die Pensionsinhaberin. Dann kam Auffarth-Zink der Gedanke, die rustikalen Wagen zu Gästezimmern umzufunktionieren. Mit einem Tieflader schaffte sie die Gefährte auf den Hof, legte Strom und rüstete die Wagen mit selbst zurecht geschnittenen Matratzen aus.

„Wenn jemand den Schäferwagen buchen will, frage ich vorher nach der Körpergröße“, erzählt sie. Ab 1,80 Meter Länge ist Schluss mit der Gemütlichkeit. Bei aller Enge ist noch Stauraum für kleines Gepäck, im Bettkasten, dort wo früher der Hund des Schäfers schlief. Toilette und Duschen sind quer über den Hof zu erreichen.

Kontakt: Brückenmühle, Ilse Auffahrt-Zink, Telefon 01 74/1 90 11 20.

Hintergrund: Pferdeboxen und Pension

Die ehemalige Mühle mit Wohnhaus, Ställen und Scheunen übernahm Ilse Auffahrt-Zink im Sommer 2009 und richtete einen Hof mit Boxen für 45 Pferde ein samt Roundpan, Reitplatz und Reithalle. Für die Pferde stehen 12,5 Hektar Wiesen zur Verfügung, für Reiter neben den Schäferwagen acht Pensionszimmer mit bis zu 20 Betten. Im Angebot auch: Unterricht im Westernreiten und Reittherapie.

Von Peter Dilling

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