Gemeindeparlament in Lohfelden verweigert Geld für Kosten-Studie zu Tram-Projekt – Nur Grüne waren dafür

Schlechte Aussichten für Straßenbahn

Kommt sie oder kommt sie nicht? Die Absicht, eine Straßenbahnlinie von Kassel nach Lohfelden zu bauen, stößt im Gemeindeparlament auf große Skepsis. Foto: Herzog / Montage: HNA

Lohfelden. Ob es je eine Straßenbahn nach Lohfelden geben wird, das scheint nach der Sitzung der Gemeindevertretung vom Donnerstagabend fraglich. Dort wurde leidenschaftlich über das Thema gestritten.

Dabei hatte das Thema Tram nur am Rande der Haushaltsberatung für den Etat 2014 eine Rolle gespielt. Die Grünen forderten in einem Ergänzungsantrag eine Kosten-Nutzen-Analyse für das Tram-Projekt. Diese wurde nach langer und kontroverser Debatte jedoch mit großer Mehrheit abgelehnt.

Im Verlauf der Diskussion wurde deutlich, dass es Befürworter und Gegner quer durch die Parteien gibt. SPD und CDU hoben für die Abstimmung den Fraktionszwang auf. Nur die Grünen machen sich einhellig für die Tram-Anbindung stark. Viele Kommunalpolitiker haben sich noch kein abschließendes Urteil gebildet.

Um dies zu ermöglichen, sei die Kosten-Nutzen-Analyse notwendig, sagte Dr. Christoph Brake (Grüne). Bisher werde das Thema zu „emotional diskutiert“. Man müsse aber rational rangehen, damit die Entscheidung von einer breiten Basis getragen werden könne. Das sah auch CDU-Fraktionsvorsitzende Birgit Kaiser-Wirz so; an den Kosten für die Analyse könne man den NVV beteiligen.

Völlig überflüssig fand dagegen Dr. Eike Bornmann (SPD) die Kosten-Nutzen-Analyse. Die Ergebnisse der bestehenden Machbarkeitsstudie reichten vollkommen aus, meinte er. Der SPD-Mann lehnt die Tram-Pläne aus zwei Gründen ab: Bei der Linienführung profitierte nur ein Drittel der Einwohner Lohfeldens, nämlich die Menschen in Ochshausen. Zwei Drittel der Bevölkerung hätten von der Tram nichts, müssten aber dafür zahlen. „Das ist sozial nicht gerecht“, sagte Bornmann. Zweifel äußerte er auch an der Finanzierbarkeit des Projekts mit jährlichen Zusatzkosten von 500 000 Euro für die Gemeinde.

Auch für Jürgen Kirchner (U2L) spricht die Trassenführung gegen das Projekt: „Crumbach und Vollmarshausen bleiben außen vor, das machen wir nicht mit“, sagte er. Eveline Paul (CDU) nahm ebenfalls klar gegen die Tram Stellung. Als „kreischendes Ungeheuer“ bezeichnete sie die Straßenbahnen, die in engen Kurven durch Wohngebiete fahren würden. Busse mit Gas- oder Elektroantrieb seien günstiger und genauso umweltfreundlich.

Auch Bernd Hirdes (SPD) positionierte sich deutlich gegen das Projekt. Bei den erwartbaren Mehrkosten von 500 000 Euro „können wir in Lohfelden einpacken“, sagte er. Außerdem werde der Straßenverkehr durch eine Tram stark eingeschränkt: Die Söhrestraße wäre nur noch in einer Richtung befahrbar, in der Hauptstraße fiele die Hälfte aller Parkplätze weg, so sein Szenario. Überdies müssten an acht Stellen Ampeln im Ort neu installiert werden, um die Tram durch den Verkehr zu führen.

Von Holger Schindler

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