Kaum Solaranlagen auf Dächern von Gotteshäusern

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In das Dach integriert: Die Fotovoltaikanlage auf der evangelischen Kirche in Weimar.

Kreis Kassel. Nur auf zwei evangelischen Kirchen gibt es Solarelemente. Die evangelische Landeskirche ist in Sachen Fotovoltaik auf Kirchendächern trotzdem nicht ganz so restriktiv wie die katholische Kirche.

Einige wenige der etwa 1000 evangelischen Kirchen in Kurhessen-Waldeck seien in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege mit Fotovoltaikanlagen bestückt, teilte die Landeskirche auf Anfrage mit. Im Altkreis Kassel sind dies die Kirchen in Elgershausen und in Weimar. Mobilfunkanlagen auf Kirchtürmen werden von der evangelischen Landeskirche nur im Innern zugelassen, nach außen sind sie nicht sichtbar. Was die katholische Kirche von dem Sonnenstrom hält, lesen Sie hier.

Eine Solaranlage mit blauen Modulen wurde auf das Dach der Kirche in Schauenburg-Elgershausen gesetzt. Die Einweihung erfolgte zum Erntedankfest 2001.

Die zweite und zugleich letzte bekam die Kirche in Ahnatal-Weimar im Oktober 2005. Dort wählte man eine andere Ausführung, denn kritische Stimmen wurden laut, die solche Technik auf denkmalgeschützten Gotteshäusern ablehnten.

So kamen laut Pfarrer Thomas Dilger rahmenlose, schwarze Module zum Einsatz, die eingebettet in das Dach „weit nach unten gerückt wurden, damit sie vom Betrachter am Boden möglichst wenig wahrgenommen werden“.

Trotz eingehender Prüfung und Abstimmungen durch die entscheidungsbefugte Bauabteilung der Kirche von Kurhessen-Waldeck habe es anschließend Einwände durch die Denkmalschutzbehörde des Landes gegeben. So wurde nach Weimar keine Anlage mehr gebaut.

Nicht richtig glücklich 

Vor der Kirche mit Solarmodulen: Pfarrer Thomas Dilger aus Weimar.

So richtig glücklich ist die Weimarer Kirchengemeinde nicht mit ihrer Solaranlage. So sorgte die spezielle Konstruktion dafür, dass das Dach undicht war und Wasser eindrang. Und am Ende der Lebensdauer müsse das Dach neu gedeckt werden

Wirtschaftlich arbeitet die Anlage auch nicht. 42 300 Euro kostete die spezielle Ausführung. 33 600 Euro nahm die Kirchengemeinde als Darlehen bei der Landeskirche auf, jährlicher Abtrag: 2800 Euro. Der Ertrag aus dem produzierten Sonnenstrom liege aber lediglich bei 2200 bis 2500 Euro im Jahr, sagt der Pfarrer. Erst 2017, wenn die letzte Darlehensrate gezahlt ist, habe man Einnahmen.

Für die Gemeinde sei das Engagement „wirtschaftlich gesehen nicht gut gelaufen“, meint Dilger. Damals habe man die Investition aber auch als „Eintreten für den Klimaschutz verstanden“. In den vergangenen drei bis vier Jahren habe auch hier ein Umdenken eingesetzt. Jetzt gehe es mehr darum, Energie zu sparen. Bei der Sanierung zum Beispiel von Pfarrhäusern „gibt es einen enormen Nachholbedarf“. Darauf reagiere die Landeskirche, die 2015 einen Klimaschutzmanager einstellen wolle, sagt Pfarrer Dilger.

Von Michael Schräer

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