Fuldabrück und Schifffahrtsamt fordern Nachbesserung an Neuer Mühle – Städtische Werke: Nicht zuständig

An der Schleuse fehlt das Wasser

Kaum nutzbar: Die Fuldaschleuse Neue Mühle ist nur eingeschränkt nutzbar. Wenn die Turbinen im Kraftwerk Neue Mühle (rechts) nicht laufen, fällt der Boden unterhalb der Schleuse trocken. Boote können die Schleuse dann nicht passieren. Foto: Schindler

Fuldabrück/Kassel. „Im jetzigen Zustand nutzt die Schleuse niemandem“, sagte Joachim Derfin (SPD) in der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung Fuldabrück. Die Rede war von der Fuldaschleuse Neue Mühle bei Bergshausen.

Nach dem einstimmigen Willen aller Fraktionen der Gemeindevertretung soll sie ertüchtigt werden. Man wolle etwas für die Wassersportler tun, hieß es. Der örtliche Wasserskiclub sei von der nur eingeschränkt nutzbaren Schleuse ebenso betroffen wie der Angelverein, die Wasserschutzpolizei und Wasserwanderer. Am besten sollte auch gleich eine Fischtreppe mit errichtet werden, sagte Derfin.

Auch CDU und Grüne plädierten für eine Verbesserung an der Schleuse. Allerdings sei angesichts der klammen öffentlichen Kassen zu befürchten, dass die Forderung nur umgesetzt werde, wenn sich die Gemeinde beteilige, sagte Bernd Brede (Grüne).

Die Schleuse, die acht Jahre nicht in Betrieb war, ist seit 2009 wieder aktiviert. Nach Auskunft des Wasser- und Schifffahrtsamts (WSA) in Hann. Münden ist sie allerdings nur bedingt nutzbar. Sie kann nur von Motorbooten bis etwa einem halben Meter Tiefgang befahren werden, unmotorisierte Boote dürfen gar nicht passieren.

Ungünstige Strömung

„Im Oberwasser gibt es eine ungünstige Strömung wegen des Kraftwerksbetriebs“, sagt Günter Gros von der WSA-Außenstelle Rotenburg, die für die Schleuse zuständig ist. Man sei mit den Städtischen Werken Kassel im Gespräch, die müssten noch Auflagen aus der wasserrechtlichen Genehmigung umsetzen.

Ein Problem sei auch der Wasserstand, sagt Gros: Wenn die Kraftwerksleistung bei Niedrigwasser gedrosselt werde, sei der Wasserstand im Unterwasser des Kraftwerks zu gering. Wenn keine der beiden Turbinen läuft, dann fällt der Boden unterhalb der Schleuse sogar trocken. „Da muss etwas passieren“, meint Gros.

Das sieht man bei den Städtischen Werken, die das Kraftwerk betreiben, anders. „Es gibt keine Auflagen, gegen die wir verstoßen“, sagte Werke-Sprecher Ingo Pijanka auf Anfrage. Das gehe auch aus einem Schreiben des Regierungspräsidiums Kassel vom März dieses Jahres hervor.

Das Wasserkraftwerk gebe es seit 119 Jahren an dieser Stelle. „Aus unserer Sicht ist es nicht hinderlich für die Schleusennutzung“, so Pijanka. Die Städtischen Werke prüfen zurzeit den Ausbau des Wasserkraftwerks Neue Mühle. Zwei Turbinen erzeugen hier bisher 334 kW elektrische Leistung, ausreichend für die Versorgung von tausend Haushalten. Aus Umweltschutzgründen wolle man die Leistung mehr als verdoppeln, sagt Pijanka.

Genaue Pläne für die Erweiterung gibt es nicht. Und welche Auswirkungen dies für die Schleuse hätte, ist ebenso unklar wie die Höhe der Kosten für eine Ertüchtigung der Schleuse. DAS SAGEN... 

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Von Holger Schindler

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