Zugvögel legen längere Ruhepausen ein – Futtersuche wurde durch Kälte erschwert

Schnee bremst die Kraniche aus

+
In der charakteristischen Keilformation fliegen die Kraniche über die Region: Aufgrund der winterlichen Kälte benötigten sie jedoch längere Ruhepausen.

Schauenburg. In typischer Keilformation flogen Kraniche seit Ende Februar auf ihrem Weg aus den südlichen Überwinterungsgebieten auch die Wiesen und Felder im Altkreis an. Doch der erneute Wintereinbruch hat den Zug zu den Hauptbrutgebieten in Mecklenburg-Vorpommern unterbrochen.

„Normalerweise macht den Kranichen die Winterkälte nichts aus“, sagt Hilmar Bergmann, stellvertretender Vorsitzender der Naturschutzbundgruppe (Nabu) Wolfhagen-Naumburg. „Die Futtersuche aber wird durch Schnee und Eis sehr erschwert“. Die Kräfte ließen dadurch nach und die Vögel verspürten Hunger.

Rückzüge beobachtet

Um den 10. März habe er sogar Rückzüge beobachtet, sagt Schauenburgs Vogelschutzbeauftragter Ludwig Fingerling. „Die sind in Niedersachsen umgedreht, weil ihnen die Kälte entgegen kam.“ Fingerling geht davon aus, dass die Kraniche zurück nach Südhessen geflogen sind. Bei günstigen Thermikbedingungen meistern die Kraniche die Strecke von den Überwinterungsgebieten in Südfrankreich oder Spanien zurück in die heimischen Gefilde meist ohne Unterbrechungen. Doch dichtes Schneetreiben und Nebel kosten Kraft und Energie, sodass längere Ruhepausen erforderlich sind.

„Auf abgeernteten Maisfeldern machen die Kraniche Station, um sich zu stärken. Hin und wieder finden sie auch eine Maus“, sagt Bergmann. Dass die Vögel es nicht schafften und verendeten, sei laut dem Experten eher selten. Zugleich appelliert er an Naturfreunde und Spaziergänger, einen Abstand von etwa 400 Metern zu den Kranichen einzuhalten: „Das Aufscheuchen bedeutet einen zusätzlichen Energieverbrauch, der die Vögel weiter schwächt“.

Ludwig Fingerling hat in diesem Jahr aufgrund der Witterungsbedingungen einen weit auseinandergezogenen Vogelzug beobachtet. Die ersten Meldungen seien Mitte Januar reingekommen. Bis 21. Februar sei es dann einen Monat ruhiger gewesen. Der richtige Zug habe erst ab 5. März begonnen.

Infos erbeten

Auch weiterhin notiert der Vogelschutzbeauftragte Beobachtungen aus dem Bereich Schauenburg:

Kontakt: Ludwig Fingerling, 05601/3409, oder E-Mail an ludwig-fingerling@t-online.de

Von Emily Spanel und Sven Kühling

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.