Zehn Senioren feierten in der Obervellmarer Kirche ihre eiserne Konfirmation

Schnuddeln gab es nicht

Eiserne Konfirmanden: Karl Otto Wiegand (79, von links), Kurt Schaumburg (80), Waltraud Mogge, Erika Müller, Lena Kranz, Elli Nägel, Brunhilde Schade, Fred Beinsen (alle 79), Pfarrer Alfred Hocke, Erno Belz (80) und Hildegard Pollex (79). Foto: Hartung

Vellmar. „Ich trug damals ein schwarzes Kleid, was aus zwei Kleidern zusammengenäht war“, erzählte Waltraud Mogge. „Ich hatte es von einem Kind aus der Nachbarschaft ausgeliehen“, sagte die 79-jährige.

Am Sonntag feierten zehn Senioren ihre Eiserne Konfirmation in der Kirche in Obervellmar. Etwa 60 Gäste waren gekommen,um den Gottesdienst von Pfarrer Alfred Hocke mitzuerleben und den Konfirmanden herzlich zu gratulieren. Durch die Erlebnisse in der Nachkriegszeit seien die eisernen den „grünen Konfirmanden“ einige Erfahrungen voraus, sagte Hocke. „Sie haben erleben können, dass aus Zerstörung und Leid Neues wuchs“, führte der Pfarrer aus. Waltraud Mogge erinnert sich noch ganz genau. „Wir hatten immer dienstags und freitags Unterricht und mussten sehr viel lernen. Bei Unaufmerksamkeit gab es auch schon mal einen Schlag auf die Hand“,berichtete sie. Auch die Namen der Pfarrer, die damals die Zeremonie durchführten, sind über die Jahre nicht in Vergessenheit geraten. „Der eine hieß Trübestein und der andere Lenz“, weiß Mogge, als wäre es gestern gewesen.

Am 21. März 1948 wurden 28 Jugendliche konfirmiert. Zehn von ihnen waren gekommen, um sich noch einmal mit den anderen an diesen besonderen Tag zu erinnern. „Einige sind weggezogen oder nicht mehr unter uns“, weiß Hildegard Pollex.

Sie werde das Datum ihrer Konfirmation wohl niemals vergessen, obwohl es nun schon ganze 65 Jahre her ist. „Damals hatte die Konfirmation eine viel wichtigere Bedeutung. Man war danach erwachsen und keine zwei Wochen später begann auch schon das Berufsleben. Da waren wir vierzehn“, plauderte die ältere Dame aus dem Nähkästchen.

Wenn man fehlte, gabs Ärger

Zwei Jahre lang, eines vor und das Jahr nach ihrer Konfirmation, mussten die Jungen und Mädchen damals jeden Sonntag in die Kirche gehen. „Da gab es keine Entschuldigung. Wenn man fehlte, gab es richtig Ärger - außer man lag wirklich krank im Bett“, erinnerte sich Hildegard Pollex. Sogar das Zimmer, in dem die Schüler unterrichtet wurden, musste von ihnen selbst gereinigt werden.

Die Konfirmationszeit sei mit heute nicht mehr zu vergleichen, wissen die eisernen Konfirmanden. Ausflüge und Freizeiten habe es nicht gegeben, erzählten Mogge und Pollex. „Wir hatten ja gar kein Geld, um uns so etwas zu leisten. Heutzutage ist das ja ganz anders“, sagte Hildegard Pollex.

Am Ende des Gottesdienstes verabschiedete sich Pfarrer Hocke mit den Worten: „Tschüss, dann bis zum nächsten Mal.“ Waltraud Mogge musste in diesem Moment ein wenig schmunzeln. „So eine Verabschiedung hätte es damals niemals gegeben“, lachte sie. Selbst bei einem Lächeln in der Kirche habe man böse Blicke geerntet. „Schnuddeln in der Kirche gab es nicht, da galten strenge Regeln, die man auch nicht gebrochen hat“, erzählte sie weiter.

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