Zunächst nur Preis- statt Königsschießen

Schützenverein 1838 Hohenkirchen feiert 175-jähriges Bestehen

Freuen sich auf die Jubiläumsfeiern: Mitglieder des aktuellen Vorstands mit dem Vorsitzenden Wilfried Hentze (Bildmitte). Foto: Sommerlde

Espenau. 175 Jahre Schützenverein Hohenkirchen – der älteste Verein Espenaus feiert von Samstag, 29. Juni, bis Montag, 1. Juli, in Nutschans Scheune im Erlenweg 7 ein besonderes Jubiläum. Grund für den langjährigen Vorsitzenden Wilfried Hentze, Rückschau zu halten.

„Unser Verein bestand schon, ehe sich die in allen Teilen Deutschlands existierenden Schützenvereine im Jahr 1861 zum Deutschen Schützenbund zusammenschlossen“, so Hentze. Was 1838 die Triebfeder zur Gründung des Hohenkirchener Vereins gewesen sein mag, kann Hentze nur vermuten. „Historikern zufolge wurden die ehemaligen mittelalterlichen Schützengesellschaften immer mehr zu Vergnügungsgesellschaften“, weiß Hentze aus diversen historischen Dokumenten, die im Laufe der Zeit zu einer Chronik zusammengestellt wurden.

„Schießsportlich ist der Verein seinerzeit jedenfalls kaum in Erscheinung getreten.“ In die Öffentlichkeit sei man jedoch mit dem Schützenfest in der Pfingstwoche getreten, einem reinen Volksfest.

Vor dem Ersten Weltkrieg und Anfang der 30er-Jahre stand an den Schützenfesttagen ein vereinsinternes Preisschießen um Sachpreise auf dem Programm. „Geschossen wurde damals mit Karabiner-Gewehren von einem aufgebauten Schießstand unter dem Lindenbaum am Ende des Sumpfgeländes, der Gänseweide“, sagt Hentze.

Auf dem Schützenplatz: Unter der 400 Jahre alten Linde stellte sich im Jahr 1938 das Festkomitee der Hohenkirchener Schützen mit Wilhelm Marhenke (von links), Wilhelm Möller, Hauptmann Ludwig Werner, Fritz Pfläging, Georg Mantel und Hans Kurzenknabe zum Erinnerungsfoto auf. Repro: Sommerlade

Beim Festzug durch den Ort wurden die vorhandenen Gewehre von einer Schützengruppe an der Spitze der Marschkolonne getragen. „Danach ruhten sie bis zum nächsten Schützenfest in den Vereinsschränken. Es war also in Hohenkirchen nicht üblich, einen Schützenkönig durch die beste Schießleistung zu ermitteln.“ Die Leitung des Vereins übernahm ein vierköpfiges Komitee, bestehend aus Hauptmann, Leutnant und zwei Schützenmeistern. Das Amt des Schützenmeisters war allerdings mit Kosten verbunden. Traditionell lud der Schützenmeister die Schützenbrüder am zweiten Festtag zu sich zum Heringsessen ein. Eine Tradition, die noch heute im Hohenkirchener Verein gepflegt wird.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auch das traditionelle Schützenfest an den Pfingsttagen wieder aufgenommen. Aber es wurde kein Volksfest mehr, sondern blieb ein Schützenvereinsfest. „Hohenkirchen war nun nicht mehr das Dorf, in dem jeder jeden kannte“, betont Hentze. Auf dem Schützenplatz, wo jahrzehntelang das Schützenfest gefeiert wurde, steht heute ein Autohaus. Die alte, mächtige Linde musste 1942 wegen Umsturzgefahr gefällt werden. Und auch die Aufgaben und Zielsetzungen haben sich verändert.

Der Verein wurde eine Schießsport treibender Verein mit regelmäßigen Übungsstunden, Jugendbetreuung und Einteilung in Leistungsklassen. Seit 1965 ist er zudem Mitglied im Landessportbund.

Historische Bilder des Vereins

Historische Bilder: 175 Jahre Schützenverein Hohenkirchen

Von Martina Sommerlade

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.