KVG schult ihre Straßenbahnfahrer in Vellmar - Neue Strecke verlangt hohe Konzentration

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Konzentrierter Blick auf die Fahrbahn: Thomas Raacke beobachtet den Verkehr auf dem Kreisel Dörnbergstraße, bevor er diesen überquert.

Vellmar. Thomas Raacke schiebt den Fahrhebel nach vorn, die Straßenbahn nimmt auf dem schnurgeraden Gleis auf der Landesstraße 3386 in Richtung Vellmarer Rathaus schnell Fahrt auf. Es geht bergab.

„Vorsicht, langsamer werden“, sagt Susanne Bödicker. Die Fahrschulausbilderin steht direkt hinter dem Straßenbahnfahrer und deutet auf die hohe Sichtschutzwand an der Einmündung zur Nordstraße. Unachtsame Fußgänger würde Raacke hier erst im letzten Moment sehen.

Es gibt einige neuralgische Punkte auf der vier Kilometer langen neuen Tramstrecke zwischen Holländischer Straße in Kassel und der Wendeschleife Vellmar-Nord, die den Fahrern hohe Konzentration abverlangen. Die Tour gleicht in weiten Teilen einer Berg- und Talfahrt. Aber dafür schult die Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) ihre 200 Fahrer ja auf dieser Strecke, die am 22. Oktober eröffnet wird, über mehrere Wochen.

Thomas Raacke ist ein erfahrener Straßenbahnfahrer. Der 48-Jährige aus Niedenstein fährt seit 27 Jahren für die KVG. Die ersten Fahrten mit Passagieren will er ruhig angehen lassen, auch wenn er dabei einmal eine Minute zu spät an einer Haltestelle eintreffen sollte. „Sicherheit geht vor Tempo“, sagt er.

Schlecht einsehbare Stellen und mögliche Gefahrenpunkte gibt es genug im Verlauf der Strecke. Ausbilderin Bödicker deutet in Höhe des Vellmarer Rathauses auf die kleine Brücke der Fußgängerunterführung, auf der die Strecke eingleisig direkt neben der Straße verläuft. „Wenn da Fußgänger am Geländer auftauchen, musst du anhalten“, sagt Bödicker zu Raacke. Der nickt.

Garantiert werde das einmal passieren, sagt er später. Der Tramfahrer erlebt in seinem Fahralltag ständig, dass sich Verkehrsteilnehmer falsch oder rücksichtslos verhalten. Damit müsse man immer rechnen, meint Raacke.

Raacke, dem seine Kollegen Volker Prien und Jürgen Weber, die bei der nächsten Tour geschult werden, über die Schulter schauen, lässt die Bahn bis zum Festplatz Tempo aufnehmen. „Wenn dich ein Fahrgast nach der Haltestelle ,Am Sportplatz‘ fragt, meint er diese hier. Die hieß bisher so“, erklärt Bödicker. Auch Kundenservice gehört zur Ausbildung der Fahrer.

Am Kreisel Dörnbergstraße und beim Schwenk über die Fahrbahnen der Bundesstraße 7 heißt es noch einmal, sich gut zu konzentrieren. Raacke muss Autos aus verschiedenen Richtungen gleichzeitig im Blick haben. Dann beschleunigt er. Mit Tempo 60 saust die Tram am Ortseingangsschild von Kassel vorbei.

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