Vellmarer Zahnarzt Dr. Dr. Thomas Reidick in Nordindien

Verein Dental-Ladakh betreute Nomaden: Schulungen im Zähneziehen

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Zum Ärzteteam gehörten der tibetische Arzt (genannt Amchi) Namgyal, Dr. Karin Kiel, Amchi Norkrit und Dr. Dr. Thomas Reidick (von links) - hier vor dem Behandlungszelt.

Vellmar. Mitten in der Steinwüste im indischen Himalaya steht ein Klappstuhl. Drum herum sind ein paar Zelte aufgebaut, Schafe streifen herum. Es ist früh am Morgen, und der Vellmarer Dr. Dr. Thomas Reidick, Arzt für Mund-, Kiefer-, und Gesichtschirurgie, sitzt gemeinsam mit seiner Kollegin Dr. Karin Kiel, Zahnärztin aus Hessisch Lichtenau, beim Frühstück.

Derweil trudeln die ersten Patienten ein, um auf dem Klappstuhl Platz zu nehmen. Für knapp drei Wochen reisten die beiden Ärzte im vergangenen September durch die indische Provinz Ladakh, um die dort lebenden Nomaden zahnmedizinisch zu versorgen.

Finanziert wurde der Hilfseinsatz vom Verein Dental-Ladakh, den Karin Kiel vor einigen Jahren gegründet hat. Sie fragte Reidick, ob er sie bei ihrem dritten Einsatz in den Himalaya begleiten wolle, und der passionierte Marathonläufer zögerte nicht lange. „Das ist ein sehr sinnvolles Projekt“, erklärt der 52-Jährige, der in Kassel eine Praxis betreibt.

Ausbildung: Dr. Dr. Thomas Reidick leistet Hilfestellung, während die tibetische Ärztin Norkrit einen Patienten behandelt

Auf dem Programm standen kostenlose zahnmedizinische Behandlungen sowie Aufklärung und Prophylaxe. Ein wesentlicher Teil des Projektes ist zudem die Weiterbildung von Ärzten der tibetischen Medizin, die Amchis genannt werden. Ihr mehrjähriges Studium liegt laut Reidick etwa zwischen der Ausbildung eines Heilpraktikers und der Schulmedizin. Zwei Amchis wurden von Kiel und Reidick im Zähneziehen geschult und bekamen die notwendige Grundausstattung, um diese Arbeit fortsetzen zu können.

Begleitet wurden die Ärzte von Dolmetschern, einer Crew, die beim Auf- und Abbau der Zelte half, und dem Journalisten Carsten Gohlke, der einen Film über den Einsatz gedreht hat. „Meistens kamen wir am Abend bei einem Lager an, und haben morgens gleich mit den Untersuchungen begonnen“, erzählt Reidick. In der Mittagspause wurden die Instrumente gereinigt und sterilisiert, dann ging es weiter, bis das Team am Nachmittag zur nächsten Etappe aufbrach. Etwa 400 Patienten haben Reidick und Kiel insgesamt behandelt, untersucht noch deutlich mehr.

Bilder der Reise

Arzt aus Vellmar hilft im Himalaya Nomaden

Aufklärung im Mittelpunkt

Die Ärzte besuchten auch die Nomadenschulen, die Internaten gleichen. Dort stand vor allem die Aufklärung im Mittelpunkt - ein Bereich, der Reidick besonders am Herzen liegt. „Das würde ich noch weiter ausbauen.“ Er berichtet, dass die Nomaden in der Region schlechte Zähne haben, was an den stark gesüßten Zuckertees liegt, die sie in den langen und extrem kalten Wintern trinken. „Deswegen ist es besonders wichtig, ihnen klarzumachen, wie notwendig regelmäßiges Zähneputzen ist.“ Im Rahmen des Hilfseinsatzes war Reidick zum ersten Mal im Himalaya. Die bisherige Arbeit will der Verein Dental-Ladakh weiterführen. Wünschenswert wäre es laut Reidick zudem, Ausbildungsmöglichkeiten vor Ort zu schaffen, etwa für Zahntechniker und Kieferchirurgen.

Hintergrund

Der Kasseler Journalist Carsten Gohlke hat die Ärzte Dr. Dr. Thomas Reidick und Dr. Karin Kiel bei ihrer Reise durch die indische Provinz Ladakh begleitet. Sein Film „Die gelebte Puja“ gewährt Einblicke in den Hilfseinsatz im Himalaya.

Gezeigt wird der Film am Mittwoch, 16. Januar, ab 19 Uhr im Regionalhaus Adolph Kolping, Die Freiheit 2, in Kassel. Der Eintritt ist frei, um Spenden für den diesjährigen Hilfseinsatz wird gebeten.

Info: www.dental-Ladakh.de

Von Meike Schilling

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