Kontaktkreis „Traumkinder“ lädt zu Gottesdienst für früh gestorbene Kinder ein

Schwanger, aber kein Kind

Helfen verwaisten Eltern: Martina Hottenroth (links) und Tanja Kahle mit einem Moseskörbchen (vorne links). Foto:  Büntig

Fuldabrück. Der Kontaktkreis Traumkinder lädt Eltern, die ein Kind vor oder kurz nach der Geburt verloren haben, zu einem Gedenkgottesdienst am Sonntag ein.

„Das größte Problem ist, dass außer uns selbst niemand unser Kind kannte“, erklärt Tanja Kahle. Gemeint sind alle Betroffenen, die ein Kind als Fehl-, Früh-, Totgeburt oder kurz nach der Geburt verloren haben. Dass Themen wie Krankheit, Sterben und Tod eher vermieden werden, darunter haben Eltern nach einer glücklosen Schwangerschaft besonders zu leiden.

„Es war keiner da, der uns zuhören wollte oder verstehen konnte“, erinnert sich die 46-jährige Tanja Kahle. Das wollte sie ändern und gründete 1997 die „Traumkinder“, angeschlossen an die Initiative Regenbogen.

Damit wurde sie für betroffene Eltern zur Ansprechpartnerin, die zuhört, versteht und bei bürokratischen Dingen hilft.

„Zum ersten Treffen kamen 40 Personen – ein klares Zeichen, wie groß der Bedarf war“, berichtet Tanja Kahle. Die Betreuung war allerdings nur ein Aspekt ihrer Tätigkeit. sie wollte auch bestehende Missstände ausräumen.

Also suchte sie Kontakt zu Kliniken und Hebammen und veranstaltet bis heute regelmäßig Fortbildungen, um das Pflegepersonal im sensiblen Umgang mit den Betroffenen zu schulen.

Dank ihrer Initiative werden inzwischen fast alle Kinder fotografiert und die Fotos den Eltern auf Wunsch zur Verfügung gestellt. Und in vielen Kliniken gibt es liebevoll ausgestattete Moseskörbchen, in denen die Babys ihren Eltern übergeben werden.

Die Zeiten, in denen Babys mit einem Gewicht unter 500 Gramm nicht bestattet werden durften, sind Vergangenheit. Heute entscheiden die Eltern, ob einzeln oder bei Angehörigen bestattet wird, unabhängig vom Gewicht. „Das ist in allen Gemeinden möglich und wer damit Probleme hat, kann sich gerne an mich wenden“, bietet Tanja Kahle an.

Von vielen Eltern in Stadt und Landkreis Kassel wird außerdem das kostenlose Angebot genutzt, die Kinder auf dem Kasseler Hauptfriedhof in einer Sammelurne beisetzen zu lassen. All diese Aktivitäten lasteten Tanja Kahle so aus, dass sie dankbar die Unterstützung von Martina Hottenroth annahm, die seit 2000 gemeinsam mit ihrem Mann die regelmäßigen Gesprächskreisabende leitet. Dort wird Betroffenen ein geschützter Raum geboten, um gemeinsam zu trauern, miteinander zu sprechen oder einfach nur nicht alleine zu sein.

Sommerfeste, Weihnachtsfeiern oder Jubiläen bieten die Möglichkeit, auch viele wiederzusehen, die nicht mehr an den regelmäßigen Treffen teilnehmen.

Ein wichtiger Termin für die Traumkinder ist der konfessionsübergreifende Gedenkgottesdienst, der am Sonntag, 18. November, um 16 Uhr in der Kirche in Dennhausen stattfindet und zu dem Pfarrer Dr. Freimut Schirrmacher gemeinsam mit dem Gesprächskreis Traumkinder alle Betroffenen mit ihren Familien einlädt.

Kontakt: Tanja Kahle, Tel. 01 72/5 27 36 04; Martina Hottenroth, Tel. 05 61/47 28 78.

Von Sabine Büntig

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.