Schwarzstorch auf Futtersuche in Weimar, Weißstorch besucht Knickhagen

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Seltener Anblick: Auf einem abgeernteten Getreidefeld unterhalb des Kammerbergs in Weimar stand gestern ein Schwarzstorch.

Ahnatal / Fuldatal. Es ist die Zeit, in der die jungen Störche den Horst der Eltern verlassen, um selbstständig auf Nahrungssuche zu gehen. Und sie sind dabei vielleicht nicht ganz so vorsichtig wie ihre erfahrenen Eltern, meint Uwe Zindel, Leiter des Forstamtes Wolfhagen.

Anders scheint es nicht erklärbar, dass sich gestern ein seltener Schwarzstorch dem besiedelten Kammerberg in Weimar näherte und ein Weißstorch in Knickhagen seit Tagen auftaucht.

Als HNA-Mitarbeiterin Ruth Brosche - von einem Nachbarn auf den Schwarzstorch aufmerksam gemacht - aber den Weg an jenem Feld betrat, auf dem der Schwarzstorch nach Nahrung suchte, „flog er sofort weg Richtung Heckershausen, dem Stahlberg entgegen“. Zum Glück habe sie ihre Kamera schon bereitgehabt, sagt Brosche. So gelangen ihr wenige Aufnahmen.

Der Schwarzstorch werde besonders geschützt, sagt Forstmann Zindel. „Man redet nicht über die Standorte der Horste im Wald.“ Der Schwarzstorch brauche für sein Nest große Bäume mit ordentlichen Kronen, „die er gut anfliegen kann“.

Entdeckten Förster einen besetzten Horst, dann werden „von März bis August im Umkreis von bis zu einem Kilometer keine Bäume geschlagen“, sagt Zindel. „Der Schwarzstorch ist ein sehr heimlicher Vogel, der sehr störungsempfindlich ist und absolute Ruhe bei der Aufzucht der Nachkommen braucht.“

Bei dem Storch in Weimar könne es sich um ein Jungtier handeln auf der Suche nach einem Nahrungshabitat. Und vielleicht, wenn die Bedingungen stimmten, könne sich dies als Bruthabitat entwickeln, das Tier in zwei Jahren in der Umgebung mit einem Partner eine Familie gründen. Zindel: „Wir sind froh über jeden Schwarzstorch.“

Anders als dieser, der auch Waldstorch genannt wird, nistet der Weißstorch „eher exponiert in Feuchtgebieten“, sagt Zindel. Vielleicht ebenfalls ein Jungtier und vielleicht aus Sandershausen mit dem einzigen bekannten Horst in der Umgebung mit zweifachem Nachwuchs in diesem Jahr, hält er sich seit einigen Tagen im Osterbachtal auf. Auf einer Wiese oberhalb der Untermühle zwischen der Bundesstraße 3 und dem Fuldataler Ortsteil Knickhagen findet er sich regelmäßig ein. „Offensichtlich ist er auf Futtersuche auf der abgemähten Wiese“, meint Frank Altrichter von der Untermühle, der den Storch schon seit einigen Tagen beobachtet.

Zwischenzeitlich ist das Tier schon zu einem beliebten Fotoobjekt geworden. Viele auf der angrenzenden Kreisstraße vorbeifahrende Auto- und Radfahrer sind von dem seltenen Anblick fasziniert und fotografieren Meister Adebar. Wenn man ihm aber zu nahe kommt, fliegt er einige Meter weiter zu einem anderen Standplatz auf der Wiese. „Abends ist der Storch verschwunden, aber am nächsten Morgen ist er wieder da. Er hat wahrscheinlich in der Nähe seinen Horst“, vermutet Frank Altrichter.

Dies wird von Hermann-Josef Rapp aus Reinhardshagen, profunder Kenner auf diesem Gebiet ist, bestätigt. Es sei keine Seltenheit, dass sich im Weser- und Fuldatal Störche aufhalten. In der Nähe von Veckerhagen lebe ein Storchenpaar und auch im Niestetal bei Sandershausen, das zwei Junge aufzog. In Vaake konnte sich das Storchenpaar aus Vorjahren in diesem nicht ansiedeln, weil ihm Graugänse den Zugang zum Nest verwehrten.

Von Michael Schräer und Klaus Hobein 

Schwarzstorch: 100 Brutpaare in Hessen

Der Schwarzstorch ist ein bisschen kleiner als der Weißstorch und unterscheidet sich von ihm vor allem durch sein schwarzes Gefieder. Während der Brutzeit sind der Schnabel und die Beine des Schwarzstorches leuchtend rot gefärbt.

Der Schwarzstorch lebt meist verborgen in alten Laubwäldern mit Tümpeln und Lichtungen, in denen er umfangreiche Baum- oder Felsennester baut. Durch seine zurückgezogene Lebensweise ist er extrem selten zu beobachten.

Die Bestandsdichte der Schwarzstörche in Europa nahm in den letzten Jahren kontinuierlich zu. Der Schwarzstorch besitzt das größte Verbreitungsgebiet unter Störchen. In Hessen leben laut Forstamtsleiter Uwe Zindel derzeit bis zu 100 Brutpaare. (rax)

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