Tauschbörse in Vellmar war für viele Ansichtskartensammler eine Fundgrube

Schwein als Sammlerglück

Grüße vom Bodensee: Ernst und Elfriede Leck hatten zur Tauschbörse der Postkartensammler kartonweise bunte Ansichtskarten mitgebracht. Unten links ist eine Panomarakarte zu sehen, rechts der Rheinfall von Schaffhausen. Fotos: Dilling

Vellmar. Ein offensichtlich glückliches Schwein rollt einen Goldtaler mit grünem Kleeblatt vor der aufgehenden Sonne. Solch einen originellen Kartengruß schickte eine Wehlheiderin zu Silvester 1899 an eine Bekannte nach Frankfurt.

Willi Nussbaums Augen strahlen, als er diese alte Ansichtskarte während der Tauschbörse am Sonntag im Obervellmarer Restaurant Regenbogen bei seinem Baunataler Sammlerkollegen Wolgang Trzemzalski entdeckt. Normalerweise kann einen alten Sammler-Hasen, wie es der Fuldataler ist, nichts so leicht in Aufregung versetzen. „Silvestergrüße zur Jahrhundertwende sind eigentlich Massenware. Aber so etwas habe ich noch nie gesehen“, sagt der 71-Jährige.

Die Karte mit dem Schwein war nicht das einzige Fundstück, was die etwa 40 Sammler bewundern konnten. Ernst Leck aus Kassel hatte kartonweise bunte Ansichtskarten aus einem Nachlass mitgebracht. Da lohnte sich das Stöbern. Neben zahlreichen, farbenprächtigen Reisemotiven aus ganz Deutschland waren darunter auch Ansichten glänzender Passagierflugzeuge einer amerikanischen Fluglinie. Leck ist durch den Briefwechsel mit der in den USA lebenden und inzwischen gestorbenen Schwester seiner Frau Elfriede, zum Ansichtskartensammeln gekommen. Auch Karten mit Fahrradmotiven sammelt er, schließlich war Leck 30 Jahre Inhaber eines Fahradgeschäfts.

Zu dem früher reichen Fundus von Post- und Ansichtskarten kommen immer weniger hinzu, sagt Norbert Kullak aus Ahnatal, der Organisator der Tauschbörse. Schuld sei das Internet, das mit seinen E-Mails das Kartenschreiben abgelöst habe. Es gelte nun, die alten Bestände zu sichern.

Dennoch macht sich Willi Nussbaum keine Sorgen, dass ihm sein Hobby jemals langweilig werden könnte. Schätzungsweise 20 000 Postkartenmotive gebe es allein von Kassel, sagt er. Nussbaum selbst hat 3500 davon in seiner Sammlung. Dazu kommen Karten mit Orchideen, Mühlen und Eulen. Das seien noch einmal 1500, berichtet der Rentner, der schon als Kind mit dem Sammeln angefangen hat.

Ansichtskartensammeln hat viel mit Zeitreisen zu tun. Man müsse häufig in detektivischer Arbeit ermitteln, wo die auf den historischen Karten abgebildeten Gebäude gestanden haben, sagt Nussbaum. Anhand der Ansichtskarten könne man verfolgen, wie stark sich Kassel verändert habe.

Kullak hofft, durch die Tauschbörsen jüngere Leute für das Hobby zu gewinnen. Diesmal, so versichert er, seien nicht nur die alten Hasen unter sich gewesen. Die Aufarbeitung der Geschichte, die auf den Karten abgebildet ist, mache das Hobby erst reizvoll. Unter den Besuchern der Tauschbörse war auch ein Mitglied des Geschichtsvereins Calden-Ehrsten, der sich wertvolle Tipps holte. (pdi)

Nächste Tauschbörse im Hotel Regenbogen, Vellmar, ist am 22. Januar 2012.

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