Gabriel Fischbach von den Baunataler Werkstätten hat eine Stelle bei Rewe gefunden

Sein Weg in die Normalität

Die Arbeit macht ihm Spaß: Gabriel Fischbach (rechts) gefällt es im Rewe-Markt Baunatal sehr gut. Er hat viel an Selbstvertrauen gewonnen. Sein Chef Hussein Ismail (Mitte) ist zufrieden mit ihm. Foto: Dilling

Baunatal. „Herr Fischbach, bitte zum Leergut“ und wenig später „Herr Fischbach, zur Kasse bitte“. Gabriel Fischbach hat sich wahrlich keinen gemütlichen Job ausgesucht. In weißem Hemd, mit sorgfältig hochgegeltem Haar und roter Krawatte pendelt der 26-Jährige im Baunataler Rewe-Markt zwischen aufzufüllendem Molkerei-Regal, streikendem Leergutautomaten und Rat suchenden Kunden.

Doch er wollte es so und ist recht zufrieden dabei. Vor einigen Monaten saß er noch in der Telefonzentrale der Baunataler Werkstätten. Das war kein normaler Job. Er gehörte zu den Tätigkeiten, die die Baunataler Diakonie Kassel (BDKS) Menschen mit Behinderungen in einem geschützten, betreuten Bereich bietet. Denn Fischbach hat ein Handicap. Er leidet an einer Intelligenzschwäche, einiges fällt ihm schwerer als anderen jungen Leuten.

Doch der in Chile geborene junge Mann ist ehrgeizig und kontaktfreudig. „Ich konnte mir nicht vorstellen, jahrelang in der Telefonzentrale zu arbeiten. Ich habe gern unmittelbar mit Menschen zu tun“, sagt Fischbach. Er fragte bei der Verwaltung der Werkstätten an, ob die ihm nicht eine Stelle auf dem normalen Arbeitsmarkt besorgen könnte. Und der junge Mann hatte Glück: Hussein Ismail, Inhaber des Baunataler Rewe-Markts, suchte gerade einen Mitarbeiter. Er lud Fischbach zum Bewerbungsgespräch ein und gab ihm eine Chance. Zunächst machte Fischbach ein Praktikum, dann gab es einen Job für drei Monate auf Probe und schließlich bekam der 26-Jährige einen Jahresvertrag.

Getränkemarkt-Meister

„Ich bin sehr zufrieden mit ihm“, sagt Ismail. Es gebe sogar eine ältere Kundin, die sich nur von Fischbach bei ihrem Einkauf beraten lassen wolle. Recht schnell habe dieser gelernt, selbstständig zu arbeiten. „Er heißt bei uns schon der Getränkemarkt-Meister, weil er sich eigenständig um das Leergut und die Sauberkeit im Getränkebereich kümmert“. Der Rewe-Chef will demnächst testen, ob sich Fischbach auch an der Kasse bewährt.

Der junge Mann ist zufrieden. Viele seiner Freunde arbeiteten im Einzelhandel, sagt Fischbach. Nur das frühe Aufstehen habe ihm anfangs Mühe bereitet. „Da musste ein zweiter Wecker her“, erzählt er. Fischbach hatte sogar ein zweites Angebot erhalten, von Edeka. Doch die Nähe des Rewe-Markts zu seiner Wohnung habe den Ausschlag gegeben.

Der junge Mann spart jetzt für einen Führerschein. Dann könne er auch Waren ausliefern, sagt er. Eine Ausbildung wäre auch schön. „Doch ich bin froh, dass ich erst einmal hier Fuß gefasst habe“, sagt Fischbach. Sein Chef ist optimistisch. „Wenn wir noch an Mathe und Deutsch arbeiten, ist eine spätere Einzelhandelsausbildung nicht ausgeschlossen“, sagt Ismail. Wenn alles passe, würde er jederzeit wieder einem behinderten Jobsucher eine Chance bieten.

Von Peter Dilling

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