Schwerhöriger Yasin Ask hat eine Lagerlogistik-Ausbildung im VW-Werk als Bester abgeschlossen

Ausbildungsbester trotz Schwerhörigkeit: Yasin Ask brilliert bei Volkswagen

Baunatal. Yasin Ask steht eine goldene berufliche Zukunft offen. Vor kurzem hat er im Baunataler VW-Werk seine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik als Jahrgangsbester abgeschlossen und jetzt einen Arbeitsvertrag in der Tasche. Nächstes Jahr will er nebenbei sein Fachabi nachholen und dann studieren.

„Mein Mut, mich bei VW zu bewerben, hat sich ausgezahlt, sagt der 23-jährige Kasseler mit türkischen Wurzeln. Schulausbildung, Lehre, Arbeitsplatz. Was für die meisten seiner Altersgenossen eine Selbstverständlichkeit ist, muss sich der junge Mann mit Fleiß und Ausdauer erkämpfe3n. Denn der begeisterte Freizeitfußballer hat von Kindheit an ein schweres körperliches Handicap. Er ist schwerhörig und kann selbst mit Hörgerät nur mit Mühe verstehen, was andere sagen. Schon im Kindergarten sei das ein Problem gewesen, erzählt der junge Mann. Auf eine normale Schule konnte er nicht gehen, sondern musste eine Schule für Hörgeschädigte in Homberg/Efze besuchen. Später wechselte er in ein Internat in Essen, um den Realschulabschluss machen zu können. „Da war ich oft Klassenbester“, erzählt Ask.

Kurzclip: Jörg Ebert über Chancen von Behinderten bei VW

Dennoch sei ihm nicht in den Sinn gekommen, beim VW-Konzern anzuklopfen. Von anderen Schwerbehinderten wisse er, dass sie einfach Angst davor hätten, so große Betriebe würden Behinderte nicht als vollwertig ansehen. Nach zwei Jahren vergeblicher Lehrstellensuche fasste sich der junge Mann doch ein Herz und bewarb sich bei VW. „Das hat auf Anhieb geklappt. Im Bewerbungsgespräch haben sie auf meine Behinderung Rücksicht genommen und extra laut und langsam gesprochen“, erzählt Ask.

Als Hürden wegen seines Handicaps auftauchten, standen ihm zwei ebenfalls hörgeschädigte VW-Mitarbeiter zur Seite. Das Werk ließ ihn sieben Monate am Stück in einer Hörgeschädigten-Schule den theoretischen Teil der Ausbildung machen. Der Kasseler arbeitete bis spätabends nach, was er wegen seines Hörproblems nicht verstanden hatte.

Die Mühe hat sich gelohnt, Ask nimmt jetzt sogar an einem Talentförderprogramm des Konzerns teil. Das Beispiel bestätigt Jörg Ebert, Vorsitzender der VW-Schwerbehindertenvertretung, in seiner Einschätzung über schwerbehinderte Mitarbeiter. Die seien oft engagierter und leistungsbereiter als andere, weil sie beweisen wollen, dass sie genauso gut oder besser arbeiten. Ebert ermutigt junge Schwerbehinderte, sich bei VW zu bewerben. Er werbe beständig bei der Geschäftsleitung dafür, jungen Leuten mit Handicap eine Chance zu geben.

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