Großenritter Kreuzkirche feiert Jubiläum – Gotteshaus stammt aber vermutlich schon aus dem Mittelalter

Seit 500 Jahren auf dem Felsen

Fachwerk und die Kirche: Ein Bild von Grißenritte aus dem Jahr 1940. Der Turm des Gotteshauses überragt die Häuser. Archivfoto: Sammlung Heinrich Broll/nh

Baunatal. 500 Jahre alt ist die Großenritter Kreuzkirche. Das soll im Mai gefeiert werden. Ein Anlass auch, in unserer historischen Serie auf die Geschichte der Kirche zu blicken. In einer Broschüre des Fördervereins Kreuzkirche hat Herbert Fiege wichtige Daten zusammengetragen.

Die Kirche steht auf einem Tuffsteinfelsen und bildet als Wahrzeichen den weithin sichtbaren Mittelpunkt der Gemeinde. Das älteste Datum zum Bestehen der Großenritter Kreuzkirche ist die Jahreszahl 1512, eingemeißelt im jetzt vermauerten Südportal.

Die Kirche ist demnach schon 14 Jahre vor der Reformation in Hessen in ihrem ältesten Teil fertig gewesen. Wer sie erbaut hat und ob vorher schon eine andere Kirche existierte, ist nicht bekannt, da im 30-jährigen Krieg alle Kirchenbücher verbrannten.

Dass bereits lange vorher eine Kirche bestand, ist anzunehmen, denn in dem brevarium sancti Lulli vom 5. Januar 775, das ein Verzeichnis aller zum Kloster Hersfeld gehörenden Orte und Ländereien umfasst, wird „rittahe“ als kirchenzinspflichtig erwähnt.

In zwei Urkunden von 1293 und 1375 werden ein „kircrythe“ (Kirchritte) und ein Freiherr von Dalwigk als Pfarrer genannt. Die Pfarrei stand unter dem Dekanat Fritzlar und gehörte damit bis zur Reformation zum Erzbistum Mainz.

36 Meter hoher Turm

1558: Zusammen mit der Kirche wurde wohl auch der Bau des 36 Meter hohen Turms begonnen. Es ist ein typischer Wehrturm mit vier Seitentürmchen – wie häufig in Hessen. Nach einer im Holzgebälk eingeschlagenen Jahreszahl wurde er 1558 fertig. Für die wenigen hundert Menschen, die damals in Großenritte lebten, muss der Bau der Kirche eine harte und aufopferungsvolle Arbeit gewesen sein.

1705: Von 1705 bis 1710 wurde die Kirche nach Osten erweitert, neue Bänke und zwei Emporen wurden eingebaut, eine Orgel wurde gestiftet und die Große Glocke neu gegossen. Ausgemalt wurde die Kirche im damals modernen Bauernbarock.

1959: Eine wesentliche Umgestaltung und Renovierung gab es 1959. Anlass waren die 250 Jahre alten, wurmstichigen Bänke. Außer einem neuen Gestühl erfolgten diese Änderungen: • Der Altar, der bis damals unter der Empore stand, wurde in den Turm verlegt. • Die Westtür im Turm wurde zugemauert. Es entstand dadurch ein schöner Altarraum mit einem hängenden Kreuz aus Kupferbronze und dem Taufstein mit neuem Becken. • Die Orgelempore wurde weiter nach vorn gezogen und mit Stühlen versehen, die oberste Empore abgebaut und an der Nordseite ein zweiter Ausgang geschaffen. • Auch die Kanzel aus dem Jahre 1653, bis dahin mit einem „Himmel“ versehen, bekam einen neuen Platz am vorderen Triumpfbogen. Dem Zeitgeschmack entsprechend, wurde der Himmel entfernt. Alle Holzelemente, die mit Bauernmalerei verziert waren, wurden mit hellen Grau-und Beigefarben überstrichen. Die Kirche erhielt den Namen Kreuzkirche.

1985: Die Kirche wurde neu gestrichen, dabei wurde auf der Empore ein kleiner Teil der unter Putz- und Wandfarbe verborgenen Wandmalerei freigelegt. Auch die Kanzel erhielt wieder die alten Farben der Bauernmalerei.

2000: Aufwändige Sanierungsarbeiten fanden statt. Innen erhielt der Chorraum einen neuen Anstrich, da sich der Farbbelag von 1985 nicht bewährt hatte. Dach und Kirchturm wurden ebenfalls saniert. (ing)

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