– Teilgeständnis reichte Gericht nicht

Prozess gegen Fuldabrücker wird fortgesetzt: Seit Jahren Steuern hinterzogen

Fuldabrück/Kassel. Er habe sich in seiner Firma auf die Technik konzentriert, sagte der Angeklagte. In den buchhalterischen Dingen habe er sich auf einen Mitarbeiter und den Steuerberater verlassen.

„Ich räume aber ein, die Kontrolle nicht richtig ausgeübt zu haben“, erklärte er schließlich – und die Aussage begann nach jenem Geständnis zu klingen, als das sie angekündigt war.

Der 70-Jährige aus Fuldabrück ist angeklagt, privat und als Geschäftsführer seines Unternehmens Steuern von mehreren hunderttausend Euro hinterzogen zu haben. Die Vorwürfe reichen zum Teil bis 2001 zurück. Um das komplexe Verfahren schnell beenden zu können, hatte das Kasseler Amtsgericht Ende Juli einen Verständigungsvorschlag unterbreitet: Es könne auf Steuerhinterziehungs-Vorwürfe im Umfang von rund 200 000 Euro beschränkt werden. Im Gegenzug für ein Geständnis könne dem Fuldabrücker eine Strafobergrenze zusichert werden. Maximum sei dann eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung plus einer Geldstrafe von nicht mehr als 270 Tagessätzen zu mindestens 100 Euro. Diesem Vorschlag stimmten jetzt sowohl der Staatsanwalt als auch Verteidiger und Angeklagter zu. Auch eine Bewährungsauflage wurde bereits zu Protokoll genommen: Binnen Jahresfrist soll der Angeklagte nun vollständige und wahrheitsgemäße Einkommens- und Umsatzsteuererklärungen für die Jahre 2008 bis 2011 beim Finanzamt abgeben.

Doch die Aussage des Fuldabrückers, die auf diese Absprache folgte, fiel offenbar nicht ganz so geständig aus, wie sich die Juristen im Saal das vorgestellt hatten. Ein Beispiel: Wo die Anklage dem Fuldabrücker vorwarf, Warenbestände der Firma nicht korrekt verbucht zu haben, erklärte dieser zunächst, ein Finanzamtsmitarbeiter habe falsch gerechnet. Das erstaunte selbst den Verteidiger. Dann besann sich der 70-Jährige – und gab den Vorwürfen doch recht. Als sich Ähnliches auch beim zweiten Vorwurf abzeichnete, schritt der Verteidiger ein – und half der Erinnerung etwas auf die Sprünge. Das Gericht aber befand es schließlich für besser, die Verhandlung „konstruktiv abzubrechen“.

Jetzt sind zwei weitere Termine anberaumt. Der Verteidiger hat bis Anfang September Zeit, die Aussage mit seinem Mandanten vorzubereiten. (kaj)

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