Waldohreulen nisten im Oderweg in Mönchehof

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Markante Federbüschel: Eine der beiden erwachsenen Waldohreulen in Espenau.

Espenau. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer: Im Oderweg ist eine siebenköpfige Familie eingezogen. Allerdings nicht in die leer stehende Wohnung der Hausnummer drei, sondern in die zwei davor stehenden Bäume.

Gut getarnt und in zehn Metern Höhe befindet sich dort seit einigen Tagen ein Waldohreulen-Paar mit fünf Jungtieren, die allmählich zur kleinen Sensation in der beschaulichen Straße am Feldrand in Mönchehof werden.

Wälzte das Tierlexikon: Rosita Persch informierte sich über die Waldohreule.

Einer, der die außergewöhnlichen Gartengäste zuerst entdeckte, ist Gottfried Muster. „Anfangs dachten wir, es handele sich wegen der spitzen Federohren um eine Uhu-Familie“, so der Anwohner. Seit dem Einzug der außergewöhnlichen Gäste in den benachbarten Garten hat der Rentner sein Fernglas stets griffbereit. „Es ist einfach interessant, den Tieren zuzusehen. So etwas sieht man schließlich nicht alle Tage.“

Der Auffassung sind auch Waltraud Vick und Renate Küter. Vor allem den flauschigen Nachwuchs haben die Nachbarinnen in ihr Herz geschlossen. „Die sind ja wirklich niedlich. Es ist sehr spannend, wenn die Kleinen von der Mutter gefüttert werden.“

Waldohreulen nisten im Oderweg in Mönchehof

Ebenfalls angetan ist Rosita Persch. „Ich habe mich gleich mal in unserem alten Tierlexikon über die Waldohreule schlaugemacht“, so die Anwohnerin. Es sei schon etwas Besonderes, dass sich die Tiere ausgerechnet im Oderweg angesiedelt hätten. „Ich denke, dass hier die Natur noch stimmt.“

Mit großen Augen steht Fynn van Elkan regelmäßig am Gartenzaun. Der Vierjährige hat die Eulen trotz der guten Tarnung schnell entdeckt. „Jetzt kann ich meinen Freunden im Kindergarten viel erzählen.“ Mit Kamera und Fernglas kommen auch andere interessierte Gäste in den Oderweg. So wie Naturfotograf Karl-Heinz Germandi aus Vellmar. „Das ist eine schöne Gelegenheit, zahlreiche Aufnahmen zu machen.“

Tagsüber lassen sich die nachtaktiven Vögel nämlich gut beobachten. Stoisch sitzen sie im Baum und scheinen das Treiben unter ihnen ungerührt zur Kenntnis zu nehmen. Dass sich die Eulenfamilie im Oderweg eingenistet hat, ist übrigens nicht ganz ungewöhnlich. „Waldohreulen sind relativ zutraulich. Wenn Wohngebiete an landwirtschaftlich genutzte Bereiche grenzen, lassen sie sich auch dort nieder“, erklärt Hermann-Josef Rapp, ehemaliger Revierleiter des Forstamts Reinhardshagen.

Sehr zur Freude der Anwohner im Oderweg. „Das ist klasse“, sagen Klaus und Helga Kestner. „Wir wohnen seit 36 Jahren hier und haben solch ein Naturschauspiel noch nicht erlebt“, so das Ehepaar.

Wie lange die außergewöhnlichen Gäste wohl noch im Oderweg zu sehen sind, vermag auch Vogelexperte Walter Behrend aus Immenhausen nicht zu sagen. „In der Regel halten sie sich bis zu drei Wochen auf, bevor sie weiterziehen.“ Für die Bewohner im Oderweg wird dieser Zeitpunkt sicher auch ein wenig mit Wehmut behaftet sein.

Hintergrund: Häufigste heimische Eulenart

Mit großen Augen: Zwei der insgesamt fünf Jungtiere haben vom Baum herab ihre Beobachter im Blick.

Die Waldohreule gehört zu den am häufigsten vorkommenden heimischen Eulenarten. Sie ist etwa 35 bis 40 Zentimeter groß und hat eine Spannweite von knapp einem Meter.

Kennzeichen des nachtaktiven Tieres sind die auffallend großen Federohren, die allerdings keine Hörorgane, sondern lediglich auffällige Federbüschel sind. Das Gefieder der Waldohreule ist auf hellbraunem bis ockergelbem Grund schwarzbraun gestrichelt und gefleckt. Die Färbung des Gefieders dient der Tarnung.

Typisches Indiz für die Anwesenheit von Waldohreulen sind Gewölle sowie weiße Hinterlassenschaften an und unter den Bäumen. (zms)

Von Martina Sommerlade

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