Erzählstunde mit Beate Bobke regte zum Nachdenken über die eigene Biografie an

Sich gemeinsam erinnern

Erzählen und lesen: Beate Bobke (dritte von links) las während der Erzählstunde auch kurze Texte aus der Biografie von Harald Juhnke. Auf dem Boden ist eine Biografiekiste ausgestellt. Foto: Schilling

Ahnatal. Beate Bobke wollte als Kind eigentlich lieber Susanne oder Sabine heißen. Stattdessen war sie immer Beate - Tomate. Mit dieser Geschichte aus ihrer Biografie startete die Therapeutin aus Ahnatal am Donnerstagabend eine Erzählstunde am Kamin im evangelischen Gemeindezentrum in Weimar.

Die Besucher merkten schnell, dass mit Erzählstunde nicht gemeint war: Eine erzählt, alle anderen hören zu. Beate Bobke gab den Ball greifbar an die Zuhörer weiter, in Form eines Filzknäuels, das hin und her geworfen wurde. Wer das Knäuel in den Händen hielt, der erzählte eine Geschichte aus seinem Leben – unterstützt durch konkrete Fragen, die Beate Bobke stellte. Die Veranstaltung fand statt im Rahmen der Fotoausstellung „Beziehungswandel“, die sich mit dem Thema Demenz befasst und Einblicke in ganz unterschiedliche Lebensgeschichten bietet.

Besonderer Moment

Um Lebensgeschichten ging es auch während der Erzählstunde, um die der Anwesenden. Auf die Frage, an welchen besonderen Moment aus der Kindheit man sich erinnert, erzählte eine Teilnehmerin: „Ich war das einzig Kind im Dorf, das zum Geburtstag eine Buttercremetorte bekam. Das war wichtiger als jedes Geschenk“.

Auch weniger schöne Geschichten kamen zur Sprache. „Wir bekamen jedes Jahr zu Ostern ein Kaninchen geschenkt“, erinnerte sich ein anderer Teilnehmer. „Eines davon landete dann Weihnachten als Festbraten auf dem Tisch“.

Gelächter gab es bei der Frage, welche Sprichwörter einen durch die Kindheit begleitet haben. „Solange du deine Füße unter meinen Tisch stellst, wird gemacht, was ich sage“. Diesen Satz hatten wohl alle von den Vätern zu hören bekommen.

„Alles, was wir erleben, prägt uns und legt unsere Persönlichkeit fest; sagt was und wer wir sind“, erklärte Beate Bobke. Manchmal sei man selber überrascht, welche Muster immer wiederkehren, wenn man sich seine Lebensgeschichte anschaut.

Anschaulich wurde es mit Hilfe einer Biografiekiste, in der alte Bilder, Haushaltsgeräte, Spielsachen und andere Utensilien zu finden waren. Jeder Teilnehmer suchte sich einen Gegenstand aus und erzählte, was er damit verbindet. Auch dabei waren spannende Geschichten zu hören wie die vom Dinosaurierzahn. Ein Tintenfass erinnerte einen Teilnehmer an den Vormund seiner Mutter, der beim Ackern einen Dinosaurierzahn gefunden hatte. „Der stand neben seinem Tintenfass auf dem Schreibtisch“.

Am Ende waren aus einer Erzählstunde zwei geworden. Nach Ansicht der Besucher hätten es gerne mehr sein dürfen. „Ich könnte jetzt immer weiter erzählen, so viel fällt mir wieder ein“, sagte eine Teilnehmerin abschließend. Und ein anderer ergänzte: „Es war gut, einmal in sich hineinzuhören. Ich bin erstaunt, dass wir uns so schnell geöffnet haben und ins Gespräch gekommen sind“.

Info: Die Fotoausstellung „Beziehungswandel“ ist noch am heutigen Samstag von 16 bis 18.30 Uhr und am morgigen Sonntag nach dem Gottesdienst im evangelischen Gemeindezentrum in Weimar zu sehen.

Von Meike Schilling

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