Wie KVG und Deutsche Bahn den Betrieb im Kreis Kassel überwachen – Zwangsbremssystem installiert

Sicher auch auf eingleisiger Strecke

Vom Stellwerk aus gesteuert: Die Lossetalbahn verkehrt zwischen Papierfabrik und Hessisch Lichtenau größtenteils eingleisig. Archivfoto: Shuhaiber

Kaufungen / Baunatal /Vellmar. Zehn Menschen kamen jetzt in Sachsen-Anhalt ums Leben: Zwei Züge waren frontal zusammengestoßen, weil sie in entgegengesetzter Richtung auf demselben Gleis verkehrten. Seitdem steht die Sicherheit eingleisiger Zugstrecken neu infrage.

Auch im Regionalverkehr des Landkreises Kassel gibt es eingleisige Strecken, die in beiden Richtungen befahren werden. So etwa bei der Lossetalbahn. Auf der ehemaligen Bahnstrecke fahren Wagen der Straßenbahnlinie 4 von Kassel nach Hessisch Lichtenau und zurück. Betreiber ist die Regionalbahn Kassel, an der die Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) zu 50 Prozent beteiligt ist. Obwohl die Lossetalbahn eigentlich eine Straßenbahn ist, fährt sie außerorts mit Geschwindigkeiten von bis zu 80 Kilometern pro Stunde – größtenteils auf nur einem Gleis für beide Richtungen.

Auf Sicht

Für die Lossetalbahn gelten andere Sicherheitsvorschriften als für innerstädtische Straßenbahnen, zusammengefasst in der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung, kurz EBO. Wie bei Eisenbahnen fährt der Fahrer hierbei nicht „auf Sicht“, sondern richtet sich nach einem Signalsystem, das ein Fahrdienstleiter vom Stellwerk aus steuert.

Nur Tempo 60

Auf der Lossetalbahn ist zusätzlich eine punktförmige Zugbeeinflussung, kurz PZB, installiert. Die PZB veranlasst automatisch eine Zwangsbremsung, wenn der Fahrer einer Bahn Signale missachtet. Vorgeschrieben ist das System eigentlich erst ab Geschwindigkeiten von über 100 Kilometern pro Stunde. Eine weitere Straßenbahn, die außerorts eingleisig fährt und per Signal gesteuert wird, ist die Linie 5 von Kassel nach Baunatal.

Dort verkehren nicht nur die Wagen der Straßenbahn in beide Richtungen, sondern pro Tag auch zwei Güterzüge. Da dort aber nur Höchstgeschwindigkeiten von 60 Kilometern pro Stunde gefahren werden, gibt es kein PZB, wie Heidi Hamdad, Sprecherin der KVG, auf Anfrage mitteilte. Mit PZB als dem „höchstmöglichen Sicherheitsstandard“ sei auch die eingleisige Bahnstrecke zwischen Obervellmar und Wolfhagen ausgestattet, teilte Sabine Herms, Sprecherin des NVV, auf Nachfrage mit. Auf diesen Gleisen fährt sowohl die Regiotram 4 als auch die Kurhessenbahn, die zur Deutschen Bahn gehört.

In Hessen sind nach Auskunft eines Unternehmenssprechers alle von der Deutschen Bahn betriebenen eingleisigen Strecken mit PZB ausgestattet.

Die Strecke von Obervellmar Richtung Wolfhagen soll bis Ahnatal-Casselbreite um ein Gleis erweitert werden. Allerdings nicht, um die Sicherheit zu erhöhen. Vielmehr soll die Regiotram 4 ab 2012 dort doppelt so oft fahren.

Von Irene Habich

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