Sicherheit im Blick:

Zahl der Arbeitsunfälle im VW-Werk Baunatal weiter zurückgegangen

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Die Sicherheit im Blick: Sven Otto (von links), Sicherheitsingenieur Jörg Ruppert, Harald Siebenberg (Betriebsrat), Christian Grauer, Stefan Werlein, stellvertretender Werkleiter Michael Breuer und Alexander Krick zeigten in der Gießerei, worauf es ankommt. Unter anderem schützt ein Zaun die Mitarbeiter vor dem im Hintergrund arbeitenden Roboter.

Baunatal. Über 700 Grad heiß ist das geschmolzene Aluminium in der riesigen Kanne vorn auf dem Stapler. Schon beim Vorbeigehen an dem Gefährt lässt einen die enorme Hitze des glühenden Materials kurz zurückschrecken.

Da darf beim Transport nichts überschwappen, sonst könnte sich Mitarbeiter der Gießerei ernsthaft verletzen. „Höchstens Schritttempo darf der fahren“, sagt Sicherheitsingenieur Jörg Ruppert und nennt damit eine ganz einfache Anweisung gegen das Schwappen des heißen Metalls und damit zur Vermeidung von Unfällen.

Während in den ersten Jahren des VW-Werkes Kassel in Baunatal in der Gießerei Verletzungen noch fast an der Tagesordnung waren, ist die Zahl der Unfälle in jüngerer Zeit drastisch zurückgegangen. Die Gießerei gehört sogar zu den Vorzeigeabteilungen bei der Unfallvermeidung und wurde jetzt von stellvertretendem Werkleiter Michael Breuer mit dem Sicherheitspokal ausgezeichnet.

1013 Beschäftigte gibt es in der Gießerei. 2009 registrierte der Gesundheitsdienst im Werk noch 30 Unfälle, 2013 waren es nur noch zehn. Die Ausfalltage in der Produktion reduzierten sich damit von 444 vor fünf Jahren auf 116 im vergangenen Jahr. Damit legten die Gießer die beste Entwicklung beim Thema Arbeitssicherheit am gesamten Standort hin.

Lexikon-Wissen:

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Insgesamt ist die Zahl der Arbeitsunfälle im Baunataler VW-Werk rückläufig. Gab es 2009 noch 179 Verletzungen, waren es 2013 mit 81 weniger als die Hälfte. 2010 waren es 119, im Jahr 2011 registrierte man 106 und 2012 genau 84.

Die Abteilungen wollen die Sicherheit im Werk noch weiter erhöhen. Uwe Lissner, Sicherheitsfachkraft in der Gießerei, hat sich für seine Idee beim Fußball bedient. Wer sich nicht an die Vorschriften halte, bekomme die „Gelbe Karte“ gezeigt, sagt er. Dabei geht es beispielsweise um das Tragen von Schutzbrille, Gehörschutz und Sicherheitsschuhen.

In der Tat hat Lissner eine gelbe Karte entworfen, auf der ein Verstoß schriftlich festgehalten wird. Es sei ein nachdrückliche Erinnerung, sagt er. „Die Karte bekommen nicht nur Mitarbeiter der Gießerei gezeigt, sondern auch Führungskräfte.“

Rutschfeste Bodenbeläge, Umzäunungen an Maschinen und die persönliche Schutzausrüstung eines jeden Mitarbeiters tragen laut Jörg Ruppert dazu bei, Unfälle zu verhindern. Mindestens genauso wichtig ist für den Sicherheitsbeauftragten aber die richtige Herangehensweise bei der Arbeit. „Da wird mal die Rohrzange zum Hammer oder die Schutzbrille einfach weggelassen“, sagt er. Es gehe darum, allen bewusst zu machen, auf die Details zu achten.

Neben einer gesünderen Belegschaft hat der Arbeitgeber als Nebeneffekt auch einen finanziellen Vorteil. Nach Angaben Rupperts zahlt sich jeder Euro, der in Arbeitssicherheit gesteckt wird, laut einer Studie mit 1,60 Euro Wertzuwachs aus.

Von Sven Kühling

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