Ungebetene Sperrmüll-Sammler: Landkreis Kassel gehen dadurch jährlich 20 000 Euro durch die Lappen

Sie sind scharf auf die Metallteile

Sperrmüll an der Straße: Ein Fernseher zum Beispiel, wie hier zu sehen, bleibt oft nicht lange stehen. Ungebetene Sammler bedienen sich. Archivfoto:  nh

Kreis Kassel. Durch Sammler, die sich vorab die wertvollen Teile aus dem Sperrmüll sichern, gehen dem Landkreis Kassel nach internen Schätzungen jährlich bis 20 000 Euro durch die Lappen. Das bestätigt Harald Kühlborn, Sprecher der Landkreisverwaltung. Hintergrund: Die Kreisabfallwirtschaft könnte die Wertstoffteile selbst verkaufen, wenn sie nicht schon weg wären. Das würde die Müllgebühren stabilisieren, meint Kühlborn. Hinzu kämen die Kosten für vergebliche Fahrten der Abfallentsorger, so sagt er.

Die Sammler sind insbesondere auf Metall, zum Beispiel Fahrräder, aber auch auf Computer sowie noch funktionierende Unterhaltungselektronik, zum Beispiel Fernseher, scharf.

Im Landkreis Kassel wird der Sperrmüll seit einigen Jahren nicht mehr zu festen Terminen abgefahren, sondern muss vorab angemeldet werden. Die Sammler-Kolonnen gehen systematisch vor. Kaum steht der Sperrmüll am Vorabend vor der Tür, sind die Interessenten schon da.

„Nur zugelassene Abfallentsorger dürfen diese Geräte abholen.“

Landkreis-Sprecher Harald Kühlborn

Woher die Sammler die Informationen haben, welche Straßenzüge abgefahren werden, liegt derzeit noch im Dunkeln. Auszuschließen sei jedoch, dass Mitarbeiter der Kreisabfallwirtschaft Abfuhrtermine und Routen an die Sammler-Kolonnen weitergeben. Da die Abfuhr an einem Tag immer gleich in mehreren Straßenzügen einer Stadt oder Gemeinde erfolgt, reicht es den Kolonnen aus, wenn sie den Sperrmüll an der Hauptstraße sehen, um dann weitere Nebenstraßen abzufahren.

Den Müll-Klau könne man nicht verhindern, sagt Kühlborn. Wer sich allerdings bei der Abfuhr von Elektrogeräten erwischen lasse, müsse mit einer Anzeige rechnen. „Nur zugelassene Abfallentsorger dürfen diese Geräte abholen.“ Der Kreis hat Gespräche mit den Schrotthändlern geführt und darum gebeten, dass die nur die Teile mitnehmen, die ihnen von Bürgern beim Vorbeifahren angeboten werden.

Von Bea Ricken und Bernd M. Schlegel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.