Analyse: Asiatische Anbieter treten mit Dumpingpreisen auf

SMA: Von den Chinesen überrollt

In Niestetal und Kassel geht die Angst um. Die Angst um den Job. 1300 Vollzeitstellen, also 1500 Köpfe oder mehr, will SMA allein am Stammsitz abbauen – eine mittlere Katastrophe.

Sozialverträglich sollen die Stellenstreichungen erfolgen, das heißt: Wer freiwillig geht oder gehen muss, bekommt etwas Geld.

Die Gründe für die anhaltende Krise liegen auf der Hand. Mit der überfälligen Reduzierung der Förderung von Solarstrom zulasten aller Verbraucher brach die Inlandsnachfrage im bis vor Kurzem noch größten Solarmarkt der Welt über Nacht ein. Gleichzeitig brachen attraktive Märkte in Südeuropa infolge von Förderkürzungen sowie Staatsschulden- und Wirtschaftkrise weg, und der US-Markt entwickelte nicht annähernd jene Dynamik, die einst der deutsche hatte. Und SMA ist es nicht gelungen, in den solaren Boom-Märkten China und Japan Fuß zu fassen, wo 2013 zwei Drittel der weltweit installierten Fotovoltaik-Leistung verbaut wurden. „Wir haben nicht in dem Maße Marktanteile in Übersee gewinnen können, wie sie in Deutschland und Europa weggebrochen sind“, konstatiert Betriebsratssprecher Martin Breul.

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Vor allem die preisaggressiven chinesischen Wettbewerber Huawei und Sungrow, die mithilfe staatlicher Subventionen die Märkte aufrollen, machen SMA das Leben schwer – im Übrigen dieselbe Strategie, mit der sie deutsche und europäische Solarzellen- und Panele-Hersteller plattgemacht haben: Märkte mit Dumpingpreis-Produkten fluten und warten, bis die Konkurrenz in die Knie geht. Wie SMA dieser Falle entgehen kann, ist noch offen. Analysten und Investoren erwarten am Kapitalmarkttag am kommenden Freitag Antworten auf diese drängende Frage. Der gestrige Kurssturz jedenfalls zeugt nicht von viel Anlegervertrauen in die Aktie, die binnen Jahresfrist 60 Prozent an Wert eingebüßt hat. Normalerweise lösen Personalabbaupläne Kurssprünge aus. SMA selbst verweist darauf, dass das Unternehmen mit einer Nettoliquidität von 220 Millionen Euro genügend Geld für Restrukturierung und Stellenabbau habe. Vor gut vier Jahren hatte das Unternehmen aber noch mehr als 520 Millionen Euro in der Reserve.

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Der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Kassel, Kai-Lorenz Wittrock, bedauert die Entwicklung und sagte, dass SMA nach wie vor einer der qualifiziertesten Anbieter von Steuer- und Anlagentechnik sei und eine gute Grundlage habe, sich über diese schwierige Phase hinaus langfristig zu positionieren.

Wie der dänische Technologiekonzern Danfoss, der im Frühjahr erst für gut 300 Mio. Euro 20 Prozent der SMA-Aktien erworben hat, auf die aktuellen Abbaupläne reagiert, ist unklar. Auf Anfrage erklärte Sprecher Lasse Bastkjaer Jensen, dass man die aktuelle Entwicklung bei SMA nicht kommentieren wolle. Das Danfoss-Paket war gestern nur noch 85 Mio. Euro wert.

Von José Pinto

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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