Keine Kritik am Vorstand

Harmonische Hauptversammlung von SMA: Das Gewitter blieb aus

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SMA-Vorstand und Aufsichtsrat gestern auf dem Podium, während der Hauptversammlung im Kongress Palais.

Kassel. Während es draußen nahezu ununterbrochen regnete, blieb das von Beobachtern erwartete Gewitter, das sich am Dienstag über dem SMA-Vorstand entladen sollte, aus. Ganz im Gegenteil.

Die Stimmung während der Hauptversammlung des Solartechnik-Herstellers im Kongress Palais war wie im Kita-Singkreis – alle hatten sich richtig lieb.

Nicht einmal die sonst so kritischen Aktionärsvertreter, die im Frühjahr regelmäßig ausschwärmen, um den Vorständen oft wortgewaltig und langatmig ihre Fehler vorzuhalten, hatten kaum etwas zu meckern. Sie lobten die Führungsriege um Vorstandssprecher Pierre Pascal Urbon sogar dafür, dass es SMA trotz Branchenkrise noch vergleichsweise gut geht.

Ganze vier Redner traten nach vorn, um zumeist harmlose oder technische Fragen zu stellen, und am Ende erteilten 99 Prozent des anwesenden Kapitals – das waren fast 30 Mio. der 34,7 Mio. Aktien – dem Vorstand Entlastung.

Zuvor hatte ein sichtlich gut gelaunter und aufgeräumter Urbon erläutert, wie er SMA in die Erfolgsspur zurückführen will. Neue Produkte, wie ein Mikro-Wechselrichter für Kleinstsolaranlagen, ein weiterer mit integrierter Batterie zur Erhöhung des besser vergüteten Eigenverbrauchs sowie eine neue Wechselrichter-Generation, die leichter, kompakter, leistungsfähiger, billiger und IT-vernetzt ist, sollen es richten. Laut Urbon kommt SMA mit dem neuen Sunny Boy an die niedrigen Herstellkosten chinesischer Wettbewerber heran. Außerdem wollen die Niestetaler mehr als bisher im Ausland produzieren.

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Die Antwort auf die Frage, wie SMA sich einen Teil des riesigen Kuchens in den aktuellen Solar-Boom-Märkten China und Japan sichern will, blieb der Vorstandssprecher jedoch weitgehend schuldig. In China versuchen die Nordhessen, über ihren 2012 getätigten Zukauf Zeversolar ins Geschäft zu kommen, was bislang aber noch nicht wirklich geklappt hat. Und in Japan hat SMA zwar den größten Solarpark der Insel mit Wechselrichtern ausgestattet, der Marktanteil ist aber sehr gering.

Weitere Informationen zu SMA finden Sie auch in unserem Regiowiki.

Zur Beschäftigungsentwicklung sagte der Manager nichts. In jüngster Vergangenheit hat er aber wiederholt erklärt, dass kein weiterer Stellenabbau geplant sei. Im vergangenen und in diesem Jahr hat das Unternehmen 680 Vollzeitstellen (800 Köpfe) sozial verträglich abgebaut. Allein über eine freiwillige Abfindungsregelung gingen mehr als 500 Mitarbeiter, was SMA 25 Mio. Euro gekostet hat.

Urbon unterstrich auch das solide finanzielle Fundament, auf dem SMA steht. Das Unternehmen verfügt über 314 Mio. Euro flüssiger Mittel. Das ist unbestritten richtig viel. Aber 2010 waren es noch 523,4 Mio. Euro – fast 210 Mio. hat SMA seitdem aus der Reserve genommen – für den Verlustausgleich, für Restrukturierungskosten am Firmensitz und bei Zeversolar und für hohe Investitionen in neue Produkte.

Die Aktie bewegte sich gestern kaum. Sie legte bis zum Abend um 0,5 Prozent auf 29,45 Euro zu – gegenüber dem Vorjahreszeitpunkt ein Plus von etwa 20 Prozent.

Von José Pinto

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