"Deutlicher Markteinbruch" erwartet

Krise erreicht SMA: 1000 Mitarbeiter müssen gehen

Niestetal. Die Krise auf dem Solartechnikmarkt hat nun auch den Wechselrichter-Hersteller SMA in Niestetal erreicht. Wie das Unternehmen am Donnerstagabend mitteilte, erwarten die Nordhessen im kommenden Jahr einen Umsatzeinbruch um bis zu 40 Prozent.

Das entspricht 900 Millionen bis 1,3 Milliarden Euro. Noch schlimmer trifft es die Ergebnisseite. „Im besten Fall“ rechnet Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon 2013 „mit einem ausgelichenen operativen Ergebnis“ (Ebit). Sogar ein Minus ist denkbar. „Einen Verlust können wir zum aktuellen Zeitpunkt nicht ausschließen“, so Urbon weiter. Das alles bleibt nicht ohne Folgen für die Beschäftigten. Urbon kündigte an, sich von den verbliebenen 600 Zeitarbeitern zu trennen sowie weltweit 450 der 5700 Stellen abzubauen.

Förderkürzung und Preisdruck

Wie viele davon in Nordhessen ließ SMA am Abend offen. Das Unternehmen betonte aber, dass es in der Entwicklung keine personellen Abstriche geben werde. In diesem Bereich sollen 2013 rund 100 Mio. Euro vor allem in neue Produktplattformen investiert werden.

SMA aktuell:

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Als Grund für diese dramatische Entwicklung führte Urbon die massive Solarförderkürzung in Deutschland und Europa sowie den zunehmenden Preisdruck auch im Bereich der Wechselrichter an. Diese Geräte wandeln in Solarzellen gewonnenen Gleich- in netztauglichen Wechselstrom um. Die außereuropäischen Wachstumsimpulse reichten nicht aus, den Nachfragerückgang in Europa auszugleichen. 2010 hatte SMA auf dem Höhepunkt des Solarbooms bei einem Umsatz von 1,92 Mrd. Euro operativ (also vor Zinsen und Steuern) fast 517 Mio. Euro verdient.

Unter dem Strich blieben dem Unternehmen 365 Mio. Euro, also eine Mio. Euro täglich als Reingewinn. 2011 betrug der Reingewinn nur noch 166 Mio. Euro, in diesem Jahr könnte er sich bei 70 bis 100 Mio. Euro einpendeln. Einen möglichen Verlust im kommenden Jahr könnte SMA leicht wegstecken. Das Unternehmen sitzt auf mehreren hundert Millionen Euro Reserven aus guten Zeiten.

Pierre-Pascal Urbon

Und dennoch wäre ein Verlust ein tiefer Einschnitt, da SMA seit vielen Jahren mit Gewinn arbeitet und die Ergebnisse gerade seit 2007 sprichwörtlich explodierten. Neben dem allgemeinen Rückgang der Nachfrage nach Solartechnik in Europa infolge der Schuldenkrise und der Förderkürzungen machen SMA zunehmend Konkurrenten wie Power One, Kaco und Fronius das Leben mit stark sinkenden Preisen schwer – zumal es auch auf dem Wechselrichtermarkt mittlerweile Überkapazitäten gibt.

Noch härter könnte es für den Platzhirsch aus Niestetal kommen, wenn erst Koreaner und Chinesen die Märkte mit Billig-Wechselrichtern fluten. Erschwerend hinzu dürfte kommen, dass auch Elektronikriesen wie Bosch ins Geschäft mit Wechselrichtern drängen. (jop)

Fotos: SMA-Servicezentrum auf dem Sandershäuser Berg

SMA-Servicezentrum auf dem Sandershäuser Berg

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