1000 Stellen sollen abgebaut werden

SMA: Kampf gegen den Niedergang

Kassel. Am Dienstag hatte der Deutsche Aktienindex mit 8206 Punkten den bisher höchsten Stand seiner Geschichte erreicht. Doch der SMA-Aktienkurs kannte ab Mittag bis zum Börsenschluss nur eine Richtung – nach unten.

Was in einer Mitarbeiterversammlung beim Solartechnik-Spezialisten erörtert wurde, hatte sich rasch zu den Börsianern herumgesprochen. Am Mittwoch stabilisierte sich der Kurs wieder auf annähernd 19 Euro. Die Aktie lag 2010 zeitweise bei fast 100 Euro.

In jenem Superjahr hatte das 1981 aus der damaligen Gesamthochschule Kassel heraus gegründete Unternehmen fast zwei Milliarden Euro Umsatz verbucht und 365 Millionen Euro verdient. Doch seither geht es bergab.

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In diesem Jahr, so lautet die Prognose, könnte sogar ein Verlust unter dem Strich stehen. Dabei arbeitet SMA seit Jahren hart daran, auch ohne die oft kritisierten Subventionen für Solarstrom im Markt bestehen zu können.

Mit neuen Produkten und Internationalisierung will das Unternehmen die Branchenkrise meistern.

Im Vergleich zu vielen anderen Firmen mit klangvollen Namen, die inzwischen längst pleite sind, aufgegeben haben oder übernommen wurden, hat sich SMA dabei bisher gut behaupten können.

Der Grund für den beispiellosen Niedergang der Solartechnik-Industrie ist vor allem die chinesische, staatlich subventionierte Billigkonkurrenz.

Der Preis für eine Sieben-Kilowatt-Anlage für ein Einfamilienhaus beispielsweise sank in den vergangenen vier Jahren von etwa 35.000 auf gut 10.000 Euro. Viele Firmen gingen in diesem Preiskampf pleite.

Zudem wurde in Deutschland und in wichtigen europäischen Märkten die Solarförderung drastisch gesenkt, was die Nachfrage nach Solaranlagen deutlich dämpfte. Gleichzeitig brachen in der Schuldenkrise in Südeuropa weitere wichtige Sonnen-Märkte weg.

SMA musste in dieser schwierigen Zeit deutliche Einbußen hinnehmen, hat sich aber mit herausragender Technologie und Produktqualität erstaunlich gut im Markt gehalten. Und der Umsatz- und Gewinnausfall in Europa konnte durch Übersee-Geschäfte zwar nicht ausgeglichen, aber immerhin gelindert werden.

Doch jetzt muss sich SMA offenbar von weiteren Mitarbeitern trennen, um nicht unterzugehen. Niestetals Bürgermeister Andreas Siebert sagt dazu: „Ein derart massiver Abbau von Arbeitsplätzen wäre ein heftiger Schlag für Niestetal und die gesamte Region. Ich denke dabei insbesondere an die Familien, die von dem geplanten Stellenabbau betroffen sein werden.“

Von Jörg Steinbach

„Zu 99 Prozent muss ich gehen“

SMA-Mitarbeiter berichten von geplanten Abbau von 1000 Stellen

Beim Schichtwechsel um 14 Uhr herrscht vor dem SMA-Gelände in Niestetal eine gedrückte Stimmung. Lange Gesichter machen die meisten Mitarbeiter, die das Werk verlassen. Kaum ein Beschäftigter möchte sich zu den neuesten Entwicklungen im Unternehmen äußern. Zwei Mitarbeiter berichten allerdings von schlechten Nachrichten, die sie von ihrem Arbeitgeber kürzlich erhalten haben.

„25 Prozent der Belegschaft müssen gehen“, sagt ein Beschäftigter. Er ist Anfang 20 und steht vor einer ungewissen Zukunft. Bei 4500 Mitarbeitern in Deutschland betreffe dies in etwa 1000 Angestellte. Er selbst leide unter dem geplanten Stellenabbau. Sein bis zum Ende Juli laufender Vertrag soll nicht verlängert werden.

So wie ihm gehe es vielen SMAlern, die einen befristeten Vertrag besitzen, sagt er. Auf die Frage, ob er sich noch Hoffnungen macht, dass er seine Stelle bei SMA dennoch behalten könne, antwortet der junge Mann: „Ich glaube, zu 99 Prozent muss ich gehen.“

Von einer Mitarbeiter-Besprechung in seiner Produktionshalle kommt ein anderer SMA-Beschäftigter. Er spricht von langen Gesichtern, die seine Kollegen während der Sitzung gemacht hätten. Ihnen sei mitgeteilt worden, dass 1000 Stellen abgebaut werden sollen. Sorgen um seinen Job mache er sich als Festangestellter und Familienvater allerdings nicht. Dagegen müssten alle Leiharbeiter und die Kollegen mit befristeten Verträgen das Unternehmen verlassen.

Geplant sei offenbar auch, das Urlaubs- und Weihnachtsgeld der Beschäftigten einzusparen, habe man ihm berichtet. Außerdem solle die Produktion in einzelne Hallen zusammengelegt werden, um Kosten zu senken. Auch durch den Verkauf von Containern solle Geld eingenommen werden. Zusätzlich beunruhigt den Beschäftigten die Tatsache, dass SMA sich nach China und in die USA erweitert hat. Er befürchte, dass weitere Teile der Produktion ins Ausland verlagert werden könnten. (mko)

SMA - Die Unternehmensgeschichte in Bildern

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Rubriklistenbild: © dpa

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